Ich bin Veränderung.

Es war Sommer und der letzte Tag meines ersten Onlinekurses zum Thema Hochsensibilität. Mein Kopf war voller Eindrücke, mein Körper sehnte sich nach einer Auszeit. Die Coachings während der Kurszeit gingen mir unter die Haut. Es war eine fröhliche, nachdenkliche, anstrengende und vor allem sehr bereichernde Zeit für mich. 

Wir sprachen über Ängste, über Grenzen, über Komfortzonen und Dunkelheit. Aber auch über die Gabe, das Glück in den kleinen Dingen zu finden. Und über Mitgefühl, die Liebe, Mut und unsere innere Energie.

Körper und Geist freuten sich auf eine Pause. Die letzten Monate waren durch die Geburt meines Kindes und die Kernsanierung mit Umzug in unser Haus aufregend genug gewesen. 

Und dann hält mir doch tatsächlich eine Freundin am letzten Kurswochenende ein Foto unter die Nase: “Hey Miri, schau mal. Wäre das kein Hund für euch?”

 

 

Nach Angst kommt Mut?

Ein Hund stand schon immer auf meiner großen Wunschliste. Seit ich denken kann. Schon immer hatte ich den Traum irgendwann mit Pferd und Hund durch die Natur zu streifen, einen Gefährten immerzu an meiner Seite zu wissen. Doch unpassender konnte der Zeitpunkt nicht sein. Was ich brauchte, war Stillstand. Wenigstens für einen Monat.

Ich befand mich mittendrin in der wohl größten Veränderung meines Lebens und brauchte einfach mal Zeit zum Luft holen.

Bis heute weiß ich nicht, wie das passiert ist, aber wir fuhren am nächsten Morgen tatsächlich ca. 100 km mit unserem Baby zu einem Tierschutzverein und nahmen die kleine Hündin mit nach Hause.

 

 

Ich glaube ja nicht an Zufälle und es tat gut mich zuvor vier Wochen lang mit den Teilnehmern meines Onlinekurses über Themen wie Perfektionismus und Selbstzweifel, aber auch Reizüberflutung und den Wunsch, niemandem zur Last zu fallen, auszutauschen.

Hallo Wilma.

Die Hündin zog also bei uns ein und in den ersten Tagen war ich wie gelähmt. Ständig kamen mir die Tränen. Und ich sprach sie aus, all die Ängste, die ich fühlte. Ich weinte und ich lachte, wenn mir danach war. Die ganze Woche lang fragte ich mich immer wieder, was ich mir wohl dabei gedacht hatte.

Das alles passte überhaupt nicht zu mir. Zu mir, die immer nach Vernunft entschied und stets die Pro-Contra-Liste schmückte, wenn große Entscheidungen anstanden. Ich befand mich in einem absoluten Ausnahmezustand und hätte die kleine Hündin am liebsten direkt wieder zurückgebracht, um mich selbst vor dieser neuen Verantwortung und dieser großen Veränderung zu schützen.

Kann ich allen gerecht werden? Schaffe ich das alles mit Baby, Pferd, Selbstständigkeit und nun auch noch einem Hund?

Und wer weiß, wie die Sache ausgegangen wäre, wenn da nicht zwei Freundinnen gewesen wären, die neben ihrem Herz für Tiere vor allem eines zeigten: Ein Herz für Menschen.

Tierschutz bedeutet nämlich auch Menschenschutz.

All das, was wir im Hochsensibel-Kurs thematisiert hatten, wurde nun direkt im Anschluss in meinem Leben auf Herz und Nieren getestet.

Kennst du das Sprichwort: “Nach Angst kommt Mut”?

Nun, bei mir war es genau andersherum. Ich war kurz sehr mutig und traute mir das alles zu, und dann traf mich die Angst mit voller Wucht. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet.

Und dann, ganz langsam und Woche für Woche schlich es sich doch langsam aber sicher ein, um zu bleiben:

Dieses unbeschreiblich schöne Gefühl, auf das ich so viele Jahre gewartet hatte. Tapsige Schritte hinter mir, weiches Fell an meinen nackten Füßen. Ein riesig großes Abenteuer. Mein neuer Schatten, der mich durch’s Leben begleitet.

 

 

“Vielleicht ist das eine Seite von dir, die du noch nicht kennst und die jetzt endlich auch mal gelebt werden möchte?”

 

Ja, mit einem halben Jahr Abstand kann ich diesen Satz mit einem Lächeln im Gesicht annehmen. 

Alles ist gut so, wie es ist. Die Gartenarbeit dauert doppelt so lang und macht doppelt so viel Spaß. Der Platz unter dem Hochstuhl des Babys ist für den Hund reserviert. Unsere Familie lernt langsam aber sicher, dass es unklug ist, essbare Mitbringsel auf dem Boden abzustellen.

Und Feste feiern ist so viel schöner, wenn man sich zwischendurch mit dem Hund die Beine vertritt, anstatt bloß aufeinander zu hocken. (Unter uns gesagt: Unzählige Male habe ich im letzten halben Jahr genießen können, dass ich “mal kurz” mit dem Hund über die Felder gelaufen bin. Für den Hund, ganz klar – aber natürlich auch für mich! ♥)

 

Der perfekte Zeitpunkt.

Wenn mich die vergangenen zwei Jahre etwas gelehrt haben, dann vor allem, dass es keine perfekten Zeitpunkte für die wichtigsten Dinge des Lebens gibt. Hätte ich vor meiner Schwangerschaft gewusst, wie kräftezehrend und intensiv die Zeit mit einem Neugeborenen ist, dann hätte ich mich wohl noch lange nicht getraut, mich für ein Kind zu entscheiden.

Und hätte ich auch nur einen klitzekleinen Schimmer davon gehabt, wie viel Liebe und Freude so ein Menschlein in unser Leben bringt, und wie viel ich von ihm auch über mich selbst lernen darf, dann hätte ich ihn schon viel eher in unserem Leben begrüßen und kennenlernen wollen.

Ich bin Veränderung.

Das Leben ist und bleibt ein großes Abenteuer und wenn etwas in unserem Leben beständig ist, dann ist es die Unbeständigkeit. “Ich bin Veränderung” schrieb mir eine Teilnehmerin einer meiner Kurse im letzten Jahr und ich möchte diesen Satz gerne an dich weitergeben. Wir verändern uns, unser Leben ist ein ständiger Wandel. Seien wir mutig und entscheiden uns für ein Ja zu der Unbeständigkeit unseres Lebens.

Ja zum Wandel. Ja zur Veränderung. Ja zum Leben.

Ja zum Glück.

Was mir diese Gefühlsachterbahn gebracht hat, war vor allem eine Bestätigung dieser Erkenntnis:

Wir können uns zum Spielball der Wellen machen lassen, oder aber wir verwandeln uns in Experten für unser eigenes Glück.

Auf Instagram habe ich im vergangenen Jahr immer wieder meine Follower dazu aufgerufen ihr Glück zu teilen, und es ist jedes Mal unglaublich, mit wie viel Dynamik und Schwung das Glück zu mir zurückkommt, wenn ich meines teile.

Ich habe in diesem Jahr, vielleicht auch all den Stolpersteinen und Schwierigkeiten zum Trotz, mein Glück zur Routine gemacht. Wenn du dich mit mir gemeinsam auf die Suche nach dem persönlichen Glück machen möchtest, dann ist die meinfaible Glückswoche der perfekte Einstieg in deine eigene Glücksroutine. Wir starten am 24. Februar – HIER kannst du dich anmelden!

Hast du auch die Erfahrung gemacht, dass du mutig warst und die Angst dich erst anschließend besucht hat? Vielleicht war es bei dir auch die Entscheidung für ein Tier? Oder ein Jobwechsel, ein Umzug oder eine andere Form des Neuanfangs?

Ich freue mich, wenn du mir in den Kommentaren davon erzählen möchtest.

4 Antworten zu “Ich bin Veränderung.

  • Irgendwie erleichtert es mich gerade, von deinen Schwierigkeiten in den ersten Tagen mit Wilma zu lesen! Ich hab mir immer Katzen gewünscht, war ja aber mein ganzes Leben lang so allergisch, dass es eh nicht ging. Dann war ich die Allergie endlich los und die erste von mittlerweile drei Katze zog ein. Sie war und ist auch echt herzallerliebst und die tollste Katze der Welt, ABER: In den ersten 3 Tagen hatte ich riesige Probleme mit dem Gedanken, dass wir ab jetzt unser Zuhause mit Katzen teilen würden. Dieser Gedanke “Was habe ich getan” war immer präsent und so schwer und drückend…

    Ich hab keine Ahnung, wie sich das dann tatsächlich aufgelöst hat. Wahrscheinlich hat mein Nalchen sich mit ihrer herzöffnenden Art einfach klammheimlich in mein Herz geschlichen, um dort zu bleiben <3

    Manchmal ist es wohl einfach so, dass man durch solche Gefühlsphasen schreiten muss – und die Idee von Schreiten finde ich dabei gar nicht so schlecht. Mit erhobenem Kopf und ganz viel Mut zum Leben.

    Die Tiere suchen sich nunmal aus, wann und wie sie in unser Leben kommen. Und bei euch scheint es ja auch der gerade richtige Zeitpunkt gewesen sein, auch wenn es erst gar nicht danach aussah 🙂

    • Hallo liebe Tina,
      vielen Dank für deinen Beitrag!

      Was für ein schönes Bild, durch diese Phasen durchzuschreiten. Das merke ich mir! Wilma hat sich auch in unser Herz geschlichen und rückblickend finde ich, dass wir es ihr nicht einfach gemacht haben, weil die Angst so präsent war. Aber wie schreibst du so schön: Tiere suchen sich aus, wann und wie sie in unser Leben kommen. Wilma kam im perfekten Augenblick. Ich konnte es nur nicht sehen, als die Angst so laut war.

      Zum Glück ist die Angst gegangen und Wilma geblieben. Sie bereichert unseren Alltag sehr und ist nicht mehr wegzudenken!

  • Hallo Miri, ich kann auf jeden Fall verstehen, warum du diese Angst bekommen hast. Krasses Paket!
    Ich gehe mit solchen Ideen immer erst solange “schwanger”, bis mein Bauchgefühl eine Entscheidung getroffen hat. Das kann 1 Minute sein aber auch Wochen. Oft habe ich schnell Entscheidungen getroffen, die mich dann überfordert haben (weil ich immer so viel und alles möchte, mehr wie ich schaffe und der Tag an Stunden dafür bereit hält). Oft immer mit dem Nachsatz “Ach, das geht schon irgendwie…”. Mittlerweile hat mein Bauchgefühl ein “Alarmsystem” entwickelt, was mich warnt vorschnell eine Entscheidung zu treffen, wenn es wichtig ist. Das ist ein gutes Gefühl, sich selbst vertrauen zu können. Bei extrem wichtigen Entscheidungen, bei denen andere in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn man sie zurücknimmt (wie ein Tier anschaffen oder ein Kind zu bekommen) habe ich mir sehr viel Zeit gelassen. Da war ich schon immer vorsichtig und vernünftig. Vernunft ist nicht verkehrt, auch wenn sie manchmal langweilig ist! 🙂
    Aber sehr interessant finde ich noch den Teil mit den Familienfeierlichkeiten und das du das als “Aufeinanderhocken” bezeichnet hast. Das habe ich früher gehasst und empfand es immer als Zeitverschwendung. Jetzt mit Kind ist es besser (aber nicht gut), denn ich muss so oder so auf es aufpassen und man hat immer seine “Ausrede” dabei, warum man nochmal raus muss oder früher weg. Bezüglich Pferd ist das Verständnis von anderen oft nicht da, bezüglich Kind fast immer.

    • Hallo liebe Regina,

      ich gehe mit solchen Entscheidungen tatsächlich auch ewig schwanger, ein Hund ist bei uns schon viele Jahre Thema gewesen. Es war also eigentlich nicht wirklich eine “über Nacht”-Entscheidung, sondern nur der Zeitpunkt für mich einfach doch überraschend beängstigend. 🙂

      Nach deinem Kommentar habe ich über das “Aufeinanderhocken” nachgedacht und ich glaube das Wort ist irgendwann auch aus der Familie entstanden – man hockt ja bei einer großen Anzahl von Leuten wirklich ein bisschen aufeinander. Für mich ist das immer ein kleiner Spagat, weil ich auf der einen Seite unglaublich gerne Besuch habe und gerne Gastgeber bin, auf der anderen Seite aber schnell reizüberflutet bin und dann nach einer gewissen Zeit mal kurz da raus muss, um mich selbst wieder zu fühlen.

      Ich danke dir sehr für deine Gedanken, (da fällt mir auf, dass das Wort danke in Gedanken drinsteckt und diese Erkenntnis macht mich gerade froh!) und freue mich, wenn ich dich noch öfter lesen darf!

      Viele liebe Grüße an dich!

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