Meine erste Begegnung mit Araber Jimmy.

Für unser Seminar zum Thema Bodenarbeit unter dem Motto „Kommunikation – Inspiration – Motivation“ haben Kati Westendorf, Alessa Neuner und ich im Oktober nach Bayern eingeladen. Nach wenigen Tagen war der Kurs schon ausverkauft und wir haben uns voller Vorfreude in die Planung des Kurses gestürzt.

Weil mein aktuelles Lieblingsthema die Freiarbeit mit Pferden ist, habe ich auch zu diesem Thema einen Theorie- und einen Praxisteil vorbereitet. Freiarbeit mit einem fremden Pferd vor 35 Leuten. „Planen“ konnte ich da für die Praxis nichts, weil ich meiner Philosophie treu bleiben wollte. Ich verhielt mich deshalb so, wie ich es auch alleine und ohne Zuschauer mit einem fremden Pferd tun würde. Jimmy half mir dabei meine Theorie umzusetzen.

Als ich von Ponyliebe Fotografie nach unserem Kurstag die Fotos zugeschickt bekommen habe, war ich berührt von den ausdrucksstarken Bildern, die sie von Jimmy und mir gemacht hat. Weil der hübsche Araber uns allen an besagtem Tag erklären konnte, worum es in der Freiarbeit für mich geht, möchte ich ihn in meinem Bericht selbst zu Wort kommen lassen. Auf den Bildern könnt ihr seine Botschaft sehen.

Viel Spaß bei unserer kleinen Foto-Love-Story!

NIK_9330Zu Beginn unserer Begegnung schlendert Jimmy sehr selbstsicher über „seinen“ Reitplatz. Er erklärt deutlich: DAS ist mein Reich! Er nimmt wenig Notiz von den ganzen fremden Menschen und mir und legt sich sogleich genüsslich zum Wälzen auf den Boden. Ich bleibe auf meinem Platz stehen und halte meine Körperenergie betont niedrig.

In der Theorie habe ich zuvor genau diesen Fall angesprochen: Das Pferd sieht keinen Anlass dazu dem Menschen zu folgen, wenn es keinen Anreiz dazu hat. Es ist in dem Moment für Jimmy unlogisch sich direkt neben mich zu stellen und mit mir zu arbeiten. Die Reaktion des Menschen ist in solchen Fällen instinktiv diese Aufmerksamkeit einzufordern. Ich könnte den Araber in drei Sekunden bewegen, wenn ich ihm ein bisschen Dampf machen würde. Das wäre ziemlich einfach. Stattdessen warte ich auf ihn und die Zuschauer halten währenddessen gespannt den Atem an.

Für mich ist der erste Schritt des Pferdes als Einstieg in die Freiarbeit besonders wichtig. Deshalb lautet meine erste Aufgabe wie an jedem anderen Tag mit Pferden: Geduld!

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Nachdem Jimmy beginnt ganz genüsslich am Rand des Reitplatzes Gras zu fressen, schlendere ich in Schlangenlinien immer mal wieder in seine Nähe und schicke ihm Einladungen sich mit mir zu befassen. Als er sich auf mich zu bewegt, erkläre ich ihm den Clicker und gehe ein paar Schritte von ihm weg. Jimmy tut erneut, was für ihn logisch scheint, und folgte der netten Tante mit den Leckerlies.

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Immer wieder lässt er mich ein bisschen zappeln und nimmt jetzt doch augenscheinlich mehr Notiz von seiner Umgebung. Auch diese Pausen darf er sich nehmen und ich warte jedes Mal ab, bis er wieder von selbst auf mich zu kommt. Er genießt es sichtlich die Position des Entscheiders einzunehmen und zeigt mir, dass ein sofortiger Begeisterungsausbruch aufgrund meiner Anwesenheit unter seiner Würde gewesen wäre. So spielt er weiter ein paar Minuten die Rolle des Unnahbaren und es ist meine Aufgabe, ihn davon zu überzeugen, dass sich die Zusammenarbeit mit mir lohnt.

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Jimmy blüht ganz langsam auf und ich füge unserer Kommunikation Energie hinzu. Ich bestärke sein Folgen und die Anpassung an meine Körpersprache als ein aktiver Spiegel.

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Nun bleibt Jimmy nicht mehr bloß stehen, sondern er dreht sich aktiv mit dem Kopf in meine Richtung, wenn ich um ihn herum gehe. Er wird neugieriger und vergisst seine betonte Lässigkeit. Die Motivation wächst langsam.

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Ich beschließe einen weiteren Reiz in unser Spiel einzubauen und zeigte Jimmy meine Lieblingsflagge.

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Neugierig befasst sich der mutige kleine Araber mit der Fahne und ich bestärke sein Folgen und die Berührung des gruseligen Gegenstandes. Die Aufmerksamkeit ist nun ganz auf die Flagge gerichtet.

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Der neue Reiz bewirkt bei uns eine Veränderung im Spiel. Jimmy nimmt meine Anregung der Energiezufuhr gerne an und trabt zum ersten Mal an. Ich bestärke seinen Einsatz und beschließe nun wieder „pur“ mit ihm zu arbeiten, ohne die Fahne als Unterstützung zu nutzen.

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Vor unseren Augen passiert mit Jimmy eine Verwandlung. Unbemerkt haben wir die Rollen getauscht, und jetzt möchte Jimmy mich von sich überzeugen. Ich nehme genüsslich die Haltung des „zu Überzeugenden“ ein und schaue vergnügt zu, was er sich alles einfallen lässt, um sich mir stolz zu präsentieren.

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Die Energie ist nun auf einem ganz anderen Level und wir haben richtig Spaß zusammen. Plötzlich ist es Jimmy, der mehr Input in unser Spiel bringt und er beginnt regelrecht um mich herum zu tanzen. Sogar zu einem kleinen Galopp lässt er sich hinreißen, er ist dabei gespannt und motiviert zugleich.

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Als er immer wieder anfragt, ob er mir sein Steigen zeigen darf, lasse ich ihn wenige Sekunden zappeln. Ich drehe den Spieß um und lasse mich von ihm überzeugen, genau wie er es zu Beginn mit mir getan hat. Als ich ihm signalisiere, dass ich sein Steigen sehr gerne sehen möchte, setzt er sich so stolz und selbstzufrieden auf die Hinterhand, dass uns Zuschauern dabei echt das Herz aufgeht. Was für ein charakterstarker, sensibler und wirklich sympathischer Kerl!

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Wir spielen noch ein paar Minuten mit unserer Energie und sind irgendwie losgelassen und es fühlt sich leicht an.

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Als ich Jimmy nach einem Moment hoher Energie genüsslich kraule und streichle, ist es das erste Mal, dass ich ihn richtig anfasse. Ich kann nicht sagen, wieso ich ihn erst gegen Ende unserer Einheit berühre. Es fühlt sich auf einmal für uns beide richtig an.

NIK_9376Zum Abschluss frage ich Kati und Alessa nach der Uhrzeit. In der Freiarbeit verliere ich nämlich ständig das Gefühl für die Zeit. „Fünf Minuten hast du noch!“ lautet die Antwort. Fünf Minuten in denen ich das Pferd erneut zu Energie und Aktion ermuntern könnte. Mein Bauchgefühl und Jimmy entscheiden sich dagegen. In unserer Begegnung ist bereits alles Wichtige gesagt worden. Jimmy und ich haben nichts mehr hinzuzufügen und so beenden wir unsere Einheit mit einem wohligen Gefühl im Bauch.
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Ich danke dir kleiner Wüstenprinz, dass du uns an diesem Tag so viel zu erzählen hattest, und dafür dass du dich so sensibel auf mich einlassen konntest. An den Rückmeldungen der Teilnehmer am Ende des Kurses konnte ich spüren, dass du mit deiner Art viele berührt hast.

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Ein weiteres großes Dankeschön geht an Alessa und ihre Mama. Weil ich weiß wie sensibel ihr mit euren Pferden umgeht, habe ich mich geehrt gefühlt, dass ihr mir bei unserer ersten Begegnung freie Hand mit eurem Jimmy gelassen habt.

Danke auch an alle Teilnehmer für die gegenseitige Inspiration und euer persönliches und emotionales Feedback. Ihr habt den Tag zu einem tollen Erlebnis gemacht!

Ein letzter Dank geht erneut an Ann-Christin von Ponyliebe. Ich bin so froh, dass ich meine erste Begegnung mit Jimmy in so wunderschönen Bildern Revue passieren lassen kann. Wir danken dir für deinen Einsatz und sagen: Bis zum nächsten Mal! 🙂

4 Antworten zu “Meine erste Begegnung mit Araber Jimmy.

  • Liebe Miri, das klingt nach ganz viel Einklang und schönen Momenten. Die Freiarbeit ist auch mein Lieblingsthema, weil nichts dem Gefühl gleich, wenn das Pferd sich ohne Strick oder andere Hilfsmittel auf den Menschen einlässt. Ich kann verstehen, dass die zuschauer berührt waren und hätte euch gerne dabei zugesehen. Aber dank der Fotos bekommt man ja auch als Nicht-Teilnehmer einen hübschen Einblick. Liebe Grüße und danke für den spannenden Kursbericht. Petra

    • Liebe Petra, nächstes Mal bist du dann bestimmt auch mal dabei! 🙂 Freiarbeit ist vor allem jedes Mal anders, das macht sie für mich so besonders!

  • Wow Miri! Das ist so traumhaft schön, ich habe wirklich Tränen in den augen😍 Wie du ein Pferd so motivieren kannst in nur einer Einheit und zum Tanzen kommt das ist echt ein Traum! Ich würde das so gerne auch lernen! Hast du evtl mal Lust nochmal nach Bayern zu kommen🙈 Ganz liebe Grüße Anabelle😘

    • Liebe Anabelle,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Jimmy war an dem Tag wirklich fantastisch. 🙂
      Schreib mir gerne eine Email an info@meinfaible.de, wenn du einen Kurs in Bayern organisieren magst. Ich würde mich freuen!

      Liebe Grüße

      Miri

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