Winterspaß gegen Langeweile.

Wie gestalte ich die Zeit mit meinem Pferd sinnvoll? Wie laste ich es nicht nur körperlich, sondern auch geistig aus? Was schweißt uns noch enger zusammen?

Jeder kennt diese Tage – man hat nur wenig Zeit, die Halle oder der Reitplatz ist zu voll, es regnet aus Eimern, … – aber das Pferd will beschäftigt werden!

Gestern war so ein Tag. Weil es nachts bitterkalt war und viel geschneit hatte, bildete sich eine Eisschicht, die das Rausbringen der Pferde auf die Paddocks unmöglich gemacht hat. An dieser Stelle ein neidischer Blick auf alle, die ihre Pferde in einem guten Offenstall halten können. 😉 Weil ich Faible aber trotzdem Bewegung verschaffen wollte, haben wir uns vom Stall auf den Reitplatz getraut. Ich habe ihr vorher eindringlich erklärt, dass wildes Rumtänzeln heute nicht angebracht ist, und sie hat tatsächlich verstanden, wie wichtig mir das war, und lief ganz vorsichtig und brav neben mir. Dort angekommen war der Platz nicht weniger hart vereist, aber immerhin nicht glatt. Ich habe sie längere Zeit im Schritt geführt um sie aufzuwärmen und irgendwann vom Kappzaum befreit.

Foto: Katja Danielski

Genau an dieser Stelle fiel mir auf, wie unglaublich sinnvoll es war vor zwei Wochen bei Faible das „bei Fuß“ gehen spielerisch installiert zu haben. Es war aus einer Clickereinheit hervorgegangen, ohne dass ich mir vorher Gedanken darüber gemacht hatte. Mich hatte zuvor genervt, dass ich sie antreiben musste, damit sie vorwärts mit mir mit geht. Natürlich nicht mit besonders viel Druck, aber immerhin so, dass sie vor irgendetwas weichen musste – sei es der Gerte, die ich hinten anlegen musste um Faible mitzunehmen, oder aber vorne im Genick ein leichter Druck am Halfter. Beides empfinde ich als nicht schön für das Pferd – dachte aber immer, so muss es leider funktionieren. Gepaart mit einem „Komm!“ und mir selbst, die ich vorwegstapfe, ist für für Faible klar, dass sie mir folgen soll.

Wie viel schöner ist es aber, wenn das Pferd von sich aus entscheidet mit mir mitzukommen? Hunde möchte ich schließlich auch nicht antreiben um an meiner Seite bei Fuß zu gehen. Und Menschenfreunde folgen einem doch auch ohne Leine? 🙂

So kam es also, dass ich Faible für das „Bei Fuß“- Gehen belohnt habe, eben ganz ähnlich wie man das bei Hunden macht. (Wie ich eine Lektion „installiere“, habe ich in meinem Artikel zum Thema Loben erklärt.) Das hat sie relativ schnell verstanden und blieb immer seltener einfach stehen. Nach nur einer kleinen Trainingseinheit wurde sie eifrig und hat sich sichtlich gefreut, als sie das System verstanden hatte. Sie begann bei meinem Wort „Fuß!“ und an der Seite ausgestreckten Hand sogar anzutraben um ihr Maul in meine Handinnenfläche zu schieben. Das habe ich wieder und wieder belobt, sodass sie irgendwann auch in Zirkeln und Volten an meiner Hand blieb und antrabte wenn ich mich schneller bewegt habe. Das war einfach herrlich und hat richtig viel Spaß gemacht. Positiver Nebeneffekt – man bewegt sich selbst die ganze Zeit mit!

Foto: Henrike von Camen

Doch auch wenn das bei Fuß gehen spielerisch war – ich hatte immer diesen Traum vom „echten“ Spiel. Gemeinsam toben – ohne Halfter und Strick. Mein Fehler war bloß immer gewesen, dass ich zu verkrampft an die Sache herangegangen bin. Spielen kann man nicht erzwingen. Es muss leicht sein, und unbedacht. Es muss von Herzen kommen und funktioniert auch nicht auf Knopfdruck! Unter Druck kann niemand spielen.

Das Geheimnis lautet: Spielt so, als wenn euch keiner dabei sehen würde. Es ist wie ein Tanz beim Kochen, wenn niemand in der Küche neben euch steht und ihr euch in Gedanken versunken zu guter Musik bewegt. Wenn es euch packt und euch egal ist, wie ihr dabei ausseht. Es ist ansteckend! Faible hat es mir mal wieder gezeigt. Haken schlagen, aus dem Nichts in die Luft springen, laut lachen und auf die Bewegungen des anderen warten und darauf reagieren. Zugegeben – noch muss ich ein bisschen auf meinen Sicherheitsabstand achten, denn Faible ist geradezu übereifrig bei der Sache und kommt mir manchmal sehr nah. Eine Freundin hat mir aber versichert, Faible würde sehr genau auf mich achten. 

Mit einem abschließenden Spaziergang durch die Wintersonne war der Tag wirklich perfekt. Und ich habe wieder viel gelernt: Öfter mal das Köpfchen ausschalten, noch mehr mit dem Herzen sprechen. Spielt ihr mit euren Pferden?

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