Was, wenn morgen der letzte Tag mit deinem Pferd wäre?

Nicole von bewusst glücklich hat vor einiger Zeit zu einer Blogparade aufgerufen. Das Thema ließ die Emotionen der Teilnehmer und Leser Achterbahn fahren, weil es traurig und irgendwie auf eine besondere Art und Weise auch schön zugleich war, sich seinen letzten Tag auszumalen.

Was, wenn morgen dein letzter Tag wäre? hat sie sich selbst und ihre Leser gefragt.

Ich nehme mir die Freiheit heraus das Thema für MeinFaible umzubenennen und frage mich und euch heute:

Was, wenn morgen der letzte Tag mit deinem Pferd wäre?

Die Endlichkeit, sie holt uns alle früher oder später ein. Das ist schrecklich, das ist traurig, das ist das Leben. Am liebsten würde ich mir über den Tod gar keine Gedanken machen. Trotzdem habe ich bereits jetzt meiner Familie erklärt, welche Art der Bestattung ich mir für mich wünschen würde, falls ich beispielsweise tragischer Weise morgen mit dem Auto verunglücken würde. Außerdem trage ich meinen Organspendeausweis im Portemonnaie. Manche reagieren auf das Thema ganz abneigend. Es sei doch schließlich noch viel zu früh mir bereits jetzt Gedanken darüber zu machen. Andere beginnen selbst zu grübeln und möchten eine Entscheidung für sich treffen, bevor es jemand anderes tun muss.

Ähnliches gilt für mein Pferd. Wer würde es versorgen, wenn ich plötzlich nicht mehr da wäre? Wie würde ich mich entscheiden, wenn mein Pferd nicht eines natürlichen Todes sterben würde, sondern ich es erlösen müsste? Was passiert nach dem Tod mit dem Körper meines Pferdes? All diese Fragen schießen mir in den Kopf, wenn ich beginne über dieses Thema nachzudenken. Von Trauerarbeit ganz zu schweigen, das ist noch mal ein völlig anderes Kapitel.

Die Blogparade zum letzten Tag hat mich aber nicht angesprochen, weil der Tod so schrecklich und traurig ist – ganz im Gegenteil. Die Artikel der Teilnehmer sind rührend, sie lassen einen mitweinen und auch schmunzeln oder sogar laut lachen. Den letzten Tag in Hülle und Fülle genießen zu können: Was wäre das für ein Geschenk!


Angenommen ich wüsste, dass Faible und ich noch einen gemeinsamen Tag erleben dürften und wir beide wären gesund und munter:

So würde er wohl aussehen, der letzte Tag mit meinem Pferd:

Ich würde früh aufstehen um den Tag in vollen Zügen einzuatmen. Anfangs säße ich wohl eine Zeit lang auf der Wiese, im Gras zwischen der Herde. Ich würde ganz still sein, nur ab und zu von den Pferden besucht werden, um mir aus ihren weichen Nüstern ihren warmen Atem ins Gesicht pusten zu lassen. Ich würde den Moment genießen und meine Umwelt vergessen.

Wenn Faible sich entschließen würde mit mir mitzukommen würden wir gemeinsam in den Wald ziehen. Zu Fuß würde ich neben ihr her gehen, nur mit Halfter und Strick. An gut riechenden Stellen würde ich warten, bis sie den Boden aus ihrer Sicht genügend aufgewühlt und genüsslich an Rinde und Erde geknabbert hat. Ich wäre hoffnunslos inkonsequent, würde ihr so viel Freiheit wie möglich schenken wollen.

Wir würden auf romantischen Waldwegen wandern und über die großen Felder rennen. Vielleicht würde ich mich auf ihren großen, warmen Rücken schwingen dürfen und sie würde mich mitnehmen in ihre Welt. Wahrscheinlich könnten wir es nicht lassen eine schöne Strecke zu galoppieren und unsere Köpfe vom Wind durchpusten zu lassen um anschließend ganz entspannt am Bach eine Pause einzulegen. Ich würde sie beobachten und lachen und auch ganz viel weinen – da bin ich mir ganz sicher. Ich würde ihr danke sagen. Danke für die schönste Zeit mit ihr als treues Pferd an meiner Seite.

Ich würde über unsere Geschichten und Abenteuer nachdenken, ihr erzählen was mir gerade durch den Kopf geht. Wie oft habe ich sie für ihren einzigartigen Charakter verflucht, wie oft habe ich sie für ihren einzigartigen Charakter geliebt. Ganz oft hab ich gezweifelt und wieder neue Hoffnung gefunden, bin mit ihr über den Tellerrand geritten, habe an alten Regeln gerüttelt und für uns ganz eigene, neue Regeln erfunden. Ich würde sie fragen wie man nur so süß sein kann und wäre erneut fasziniert von ihrer Schönheit, von außen wie von innen.

Abschließend würde ich wieder auf der Wiese sitzen und Faible in der Familie, ihrer Herde beobachten. Sie dürfte Pferd sein, durch und durch. Ich würde ihr beim Grasen und Wandern zuschauen und mich daran erfreuen, dass sie hoffentlich bei mir im Rahmen meiner Möglichkeiten eine schöne Lebenszeit hatte.

Was mir beim Gedanken an einen letzten Tag mit Faible besonders auffällt ist die Tatsache, dass ich weder an der Dressur, noch an anderen für uns besonders anspruchsvollen Dingen feilen wollen würde. Ich hätte ungern andere Menschen dabei, wäre am liebsten ganz alleine und ohne Stress und Zeitdruck. Niemand müsste wissen, wie unser letzter Tag wirklich wäre. Ich wäre auch nicht traurig, wenn ihn niemand mit der Kamera festhalten würde. Der letzte Tag wäre privat, geradezu intim. Er wäre hoffentlich der schönste und zugleich traurigste Tag. Er wäre auch dann ein schöner letzter Tag, wenn keiner meiner hier aufgeschriebenen Wünsche in Erfüllung gehen würde. Er wäre dann perfekt, wenn Faible und ich beide zwanglos tun würden wonach uns gerade ist.

Foto: Elena B.

Dieser Artikel ist, wie so viele andere, über einen längeren Zeitraum entstanden. Ich musste mehrmals unterbrechen, weil es so ein emotionales und wichtiges Thema für mich ist. Zum Schluss bleibt mir der Gedanke: Wäre es ein egoistischer letzter Tag? Wäre Faible nicht viel lieber nur bei ihrer Herde? Es bleibt der Wunsch nach der Gewissheit, dass mein Pferd gerne seine Zeit mit mir verbracht hat.

Ein bisschen habe ich mir mit dem Text die Frage beantwortet: Was tut uns gut? Wovon wünsche ich mir mehr? Wie sieht „Quality Time“ tatsächlich für uns aus? Ich bin mir sicher, dass solch ein Tag nicht mehr besonders wäre, wenn ich ihn jeden Tag erleben würde. Totzdem versuche ich öfter an einen Tag wie diesen heranzukommen. Einfach zu leben, herrlich sorgenfrei und unbekümmert.
Als wäre es unser letzter Tag.

Hoffentlich ist er noch ganz weit weg, unser letzter Tag. Genießen sollten wir sie immer, die gemeinsame Zeit. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob ich Faible beim Heu fressen zuhöre oder uns im wilden Galopp die Welt zu Füßen liegt.

Wie sähe der letzter Tag mit deinem Pferd/Hund/Freund aus? Ich würde mich freuen davon zu lesen und bin gespannt wie unterschiedlich oder ähnlich sich andere Menschen den letzten Tag mit ihren Liebsten ausmalen! 

Alles Liebe für euch, genießt eure Pferde.

Miri

9 Antworten zu “Was, wenn morgen der letzte Tag mit deinem Pferd wäre?

  • Im ersten Moment, möchte man einfach die Augen verschließen und einfach nicht darüber nachdenken. Dann einmal tief durchatmen und deinen Artikel lesen. Dann die Botschaft erkennen. nochmal tief durchatmen und tatsächlich überlegen, wie so ein Tag aussehen würde. Ich glaube gar nicht so viel anders als bei dir. Gemeinsame Qualitätszeit genießen, eine Mischung aus Herdenzeit und Menschenzeit. Natur, Luft, Wind, Lächeln und Team sein. Ich mag den Gedanken, dass man jeden Tag so verbringen sollte, als ob es der letzte sein könnte. Kein Ärger, keine Wut, nur Freude aneinander und gemeinsame Qualitätszeit mit allen Pflichten und der Kür. Ich danke dir für deinen ehrlichen Worte und die Gedankenanregung, Petra

  • Ich würde den Tag wohl ähnlich verbringen, wenn ich die Chance dazu bekäme. An den Tag, an dem mich Shadow verlässt, will ich gar nicht denken. Mit ihm wird mich ein großer Teil meiner selbst verlassen. Sollte ich unverhofft verunglücken, ist sicher gestellt, dass die Ponys in ihrem Zuhause bleiben können. Natürlich wird sich dann wohl niemand mehr so innig mit ihnen beschäftigen, wie ich es tue. Aber zumindest bleiben sie zusammen und in ihrer gewohnten Umgebung. Der schlimme Gedanke ist wohl, dass Herr Pony wohl einige Zeit lang abends auf mich warten wird und ich die Enttäuschung in seinen Augen förmlich spüren kann, wenn ich dann nicht mehr auftauche… aber bis dahin vergehen hoffentlich noch viele wunderbare gemeinsame Tage, Stunden und Momente <3 Allerliebste Grüße an euch!

  • Wie witzig, dass Tash hier die letzte Antwort geschrieben hat (bin auch dort eine stille Mitleserin). Denn gerade die Kombination aus deinem Artikel zu "Im Hier und Jetzt sein-Lernen" und dem Artikel des letzten Tages finde ich sehr interessant. Nachdem ich Tashs Artikel gelesen habe, ist mir wieder aufgefallen, wie schwer ich mir doch damit tue. Mir ist es schon lange bewusst und versuche im Hier und Jetzt zu sein aber es ist echt schwierig, weil ich die Gedanken "Was erziehe ich meinem Pferd gerade an" oder "eigentlich müsste ich heute dies und das mit ihr tun, weil ich die nächsten Tage nicht hierher kommen kann" einfach nicht ausschalten kann. Aber mit dem Gedanken "dies ist unser letzter Tag" wäre es ganz einfach. Und ist es nicht das? Aus der Sicht der Pferde ist jeder Tag der letzte Tag, sie wissen nicht, ob sie morgen für den Puma nicht einen Moment zu langsam sind und es das war. Auch ich mache mir bewusst, dass es für meine 23-jährige Stute mit manchen Verletzungen zu Ende sein kann, was bei einem 10-jährigen Pferd vielleicht noch nicht so wäre. Aber dieser Artikel hier hat es geschafft, dass ich das Thema nochmal aus einem anderen Blickwinkel sehe. Vielleicht eine gute Idee mal mit dem Gedanken in den Stall zu gehen: "Ich lebe heute den Tag, wie als wenn es unser letzter gemeinsamer wäre". Vielen Dank für den schönen Artikel (und dir Tash für deinen auch!)!

  • Genau das ist es! Es könnte jederzeit vorbei sein. Ich finde den Gedanken schön, sich niemals im Streit zu trennen. Natürlich sollte man was für die Gesundheit tun, Muskeln arbeiten und auch seine Kommunikation verbessern. Aber wie du es schön schreibst: Wäre es der letzte Tag, dann wäre es ganz einfach. 🙂 Viele schöne letzte Tage zu erleben wäre erfüllend. Dann wäre man zwar nach wie vor nicht auf den letzten Tag vorbereitet, hätte aber das Leben genossen und eine schöne Zeit zusammen gehabt.

    Danke für deinen Kommentar und ich freu mich sehr, dass du nicht weiter "stille Leserin" sein willst! 🙂 Alles Liebe, Miri

  • Der Tag ist hoffentlich in weiter, weiter Ferne. Ich hoffe auch, dass ich mich verabschieden kann, wenn es soweit ist. Find ich toll, dass du schon dafür gesorgt hast, dass sie in ihrem Zuhause bleiben dürfen! <3

  • Liebe Petra, vielen Dank für deine Worte! Ein Team sein, dazu gehören mindestens zwei, die gerne Zeit zusammen verbringen. Bei dir geht die gemeinsame Zeit ja jetzt bald endlich los, dann wirst du sicher genau wie ich gar nicht mehr ohne sie sein wollen. Das wird eine tolle Zeit, eben voller Leben und den von dir genannten Dingen: Natür, Luft, Wind, Lächeln, Team sein.

    Alles Liebe für dich!! Miri

  • Liebe Leviata,
    ich kenne solche Gedanken nur zu gut. Und wie witzig, dass auch du ein eher älteres Pferd hast, so wie ich. Aber genau diese habdn sich doch einen wundervollsn Lebensabend verdient und sir sollten versuchen, solche Gedanken beiseits zu schieben. Ich muss sagen, dass schaffe ich auch oft nicht. Aber solche Gedanken machen oft mehr kaputt als sie bewirken, finde ich.
    Wenn es dich interessiert, dann hätte ich einen Buchtipp für dich. "Wenn Pferde älter werden" – viel Wissen, viel Erfahrung und vor allem viele Ideen, wie man den Oldie sinnvoll beschäftigt. Vor allem gute Ideen zur Bodenarbeit und ein tolles Verwöhnprogramm inkl. Massags. Auch das Thema Abschied wird behandelt und mir selbst hat das sehr geholfen.
    Lg Susi 🙂

  • Ich selbst habe mich wohl oder übel schon das Ein oder Andere Mal mit diesem Gedanken beschäftigt, da ich einen Oldie besitze. Dass er alt ist, merkt man ihm ganz und gar nicht an, aber das Thema ist eben doch präsenter als bei einem jungen Hüpfer. Hervorheben möchte ich da, dass es in vielen Bücher über das Älterwerden von Pferden bzw. anderen Oldie-Büchern sehr gut aufgearbeitet wird, was mir die Sache erleichtert hat.

    Bei deinen Ausführungen musste ich schmunzeln, denn es wirkte für mich so stimmig, als hätte ich es selbst geschrieben. Ich würde ebenso mein Pferd in der Herde beobachten, bei ihm sein. Ich würde einsn großen entspannten Spaziergang machen, bei dem er so viel stehen bleiben und Gegend beobachten darf, wie er will. Bei dem er soviel Grashalme im Vorbeigehen stibitzen darf, wie er will. Ich würde ein gemütliches Plätzchen suchen, an dem er grasen darf und ich mich nebenan in die Wiese legen kann. Ganz entspannt, als hätten wir alle Zeit der Welt. Und ich würde ihn ein letztes Mal ausgiebig putzen und stundenlang kuscheln. Ich würde es genießen, wie er seinen Kopf, wie sooft, an meinen Armen ablegt und mir seinen Atem entgegenbläst. Ich würde es genießen, wie seine Stirn an meiner lehnt. Ich würde weinen und lachen und uns definitiv den bestmöglichen Abschied bescheren.

  • Hach schön, besonders die Passage gefällt mir gut: "bei dem er so viel stehen bleiben und Gegend beobachten darf, wie er will". Das ist so typisch Pferd, das machen die so gerne! 🙂 Und wir sind immer ungeduldig, tun das Verhalten als "unerzogen" ab und ziehen es weiter. Vielen Dank für deine Gedanken! 🙂 Ich finde es schön, dass so viele das ähnlich sehen und ihrem Pferd ein schönes und würdiges Leben bieten wollen, bis zum Ende.

    Alles Liebe für dich!

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