Über das Loben.

Ein sehr spannendes Thema – und wirklich bei jeglicher Art von Arbeit mit dem Pferd total wichtig für mich – ist das Loben.

Es gibt sehr viele verschiedene Arten ein Pferd zu loben. Ich beobachte immer häufiger, dass es beim Loben auf das richtige Timing ankommt, damit das Pferd auch versteht, wofür es gerade gelobt wurde. Ebenso erwische ich mich dabei, zu häufig zu loben, wenn Abläufe eigentlich längst selbstverständlich sind und Faible sie eigentlich routiniert ausführen kann.
Würde sie ein Jungpferd sein, mit dem ich das Fohlen ABC üben müsste, dann gäbe es auch Applaus für Hufe auskratzen. Da sie allerdings aus den Kinderschuhen raus ist, und so etwas wie das Huf geben in ihrem Standard-Repertoire fest verankert ist, wird sie auch nicht mehr überschwänglich für diese Basics gelobt. Um an der richtigen Stelle zu loben und gewünschtes Verhalten zu bestärken, hilft ein “Lob-Wort” (oder ein Geräusch) zur Unterstreichung, dass das Pferd etwas gut gemacht hat. Doch dazu später.

Wissenschaftlich gesehen lernen ‘”wir Säugetiere” deutlich schneller, wenn wir für das richtige Verhalten gelobt werden, anstatt für Fehlverhalten bestraft zu werden. Ich vergleiche diesen Fakt gerne mit kleinen Kindern, die in der Schule auf ihren Stühlen wibbeln. Lobt man sie nach einer kurzen Zeit, in der sie mal nicht gewibbelt haben, schauen sie einen ganz verdutzt an und denken darüber nach. Straft man sie Stunde für Stunde, ermahnt sie immer wieder, so stumpfen sie langsam aber sicher ab, und irgendwann platzt dem Lehrer der Kragen, weil das Kind die Aufforderungen ignoriert. Genauso ist es mit dem Pferd. Und ebenfalls mit uns Pferdemenschen.

Jeder mag es, gelobt zu werden. Ein Zuspruch macht glücklich und motiviert!

Foto: Katja Danielski

Ich verwende die Wörter “fein” und “brav” (leider war ich da am Anfang zu unkreativ und inzwischen sind die Wörter einfach drin…) immer wieder zwischendurch, wenn sich Faible während der Arbeit so verhält wie ich das möchte. Beispielsweise an der Longe, wenn sie sich auf mein Zeichen hin schön tief streckt oder versammelt, oder im perfekten Augenblick angaloppiert. Diese Wörter sind eine Bestärkung in der Bewegung, und ich möchte nicht, dass Faible sie mit dem Abschluss einer Übung gleichsetzt und sich zurücklehnt und die Füße hochlegt. Diese Wörter benutze ich also dann, wenn ich aus der Handlung heraus ein Lob aussprechen möchte, und das Pferd darin bestärken will genau so weiter zu machen wie bisher. Das klappt sehr gut, Faible verknüpft diese Wörter (in angenehmer Stimmlage – NICHT wie bei uns Frauen weit verbreitet mit lautem Gequietsche) augenscheinlich mit einem guten Gefühl und macht motiviert weiter wie bisher, oder schnaubt sogar zufrieden ab.

Ein ganz anderes Loben ist für mich das Clicker-Lob. Besonders hierbei kommt es auf perfektes Timing an. Mit dem Clickertraining schule ich mich selbst, indem ich sensibler für kleine Ansätze werde, die “in die richtige Richtung” gehen. Seitdem ich mit dem System der positiven Verstärkung arbeite, lerne ich auch selbst die kleinsten Versuche zu bemerken, die die Aufgabe lösen könnten. Falls das Clickertraining noch nicht bekannt ist, findet ihr HIER ein Video, das positive Verstärkung sehr anschaulich und besonders liebevoll erklärt.

Das Clicker-Lobwort wird von mir sehr sehr sparsam eingesetzt, genau wie das dazugehörende Futterlob. Viele Pferdemenschen probieren das Clickern ohne großartige Vorkenntnisse auf eigene Faust aus, und sind schnell gefrustet und enttäuscht, weil sich ihr Pferd zu sehr auf das Leckerli stürzt. Sie beenden das Clickertraining dann, bevor es überhaupt richtig begonnen wurde. Sätze wie “Das Clickern ist nichts für mein Pferd!” oder “Damit erziehst du dir dein Pferd zu einem rüpeligen Taschenschnapper!” habe ich schon ziemlich oft gehört. Das Geheimnis liegt tatsächlich in unserem richtigen Timing und konsequenten Verhalten. Halten wir uns an wenige, simple Regeln, dann erziehen wir uns MIT Futterlob ausgerechnet Pferde, die NICHT in unserer Tasche rumfummeln.

Hier spielt mir Faible eine Übung aus unserem Clicker-Repertoire vor. Wenn sie nicht weiß, was ich gerade von ihr will, probiert sie alles nacheinander aus, in der Hoffnung einen Treffer zu landen. Dieses Verhalten NICHT zu belohnen ist gar nicht so einfach, weil es einfach süß ist und ihre Bemühungen zeigt, eine Aufgabe zu lösen. Auch hier gilt:
Kein Applaus für Scheiße! 🙂

 

Nun zu dem Loben, welches ich für mich persönlich inzwischen als weniger sinnvoll erachte.

Wie schon zu Beginn des Artikels beschrieben, ertappe ich mich selbst immer mal wieder dabei, Faible für etwas zu belohnen, das eigentlich kein Lob verdient hätte.
Ein Beispiel ist das Loben nach einer scheinbar sehr gruseligen oder gefährlichen Situation. Das Pferd scheut, tänzelt, möchte umdrehen und die Flucht ergreifen. Es zeigt mir ganz deutlich an: Hier ist es super gefährlich, lass uns lieber von hier verschwinden! Ich weiß nicht ob es Reflex oder falsch gelerntes Verhalten ist, aber ich habe eigentlich mein ganzes Pferdeleben lang immer schon während des gefährlichen Moments das Pferd beruhigend getätschelt und (aus Sicht des Pferdes) gelobt. Doch was lobe ich da eigentlich? Unterstütze ich damit nicht genau das Verhalten, welches ich eigentlich seltener sehen möchte? Erkläre ich dem Pferd damit nicht eigentlich, dass ich es super toll finde, dass es für uns beide die Verantwortung übernommen hat, und die Gefahr besonders gut gesehen hat? Signalisiere ich nicht, dass das Pferd bloß weiterhin jede kleine Gefahr anzeigen soll, um mich zu warnen?

Mittlerweile habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr viel sinnvoller ist, wenn ich im Moment der Gefahr Souveränität beweise, und ihr sanft aber bestimmt zeige, dass ich die Gefahr gut einschätzen kann, und wir zwei unbeschadet an ihr vorbeikommen. Das stärkt ihr Vertrauen in mich, und nachdem wir an der Gefahr vorbei sind, kann ich sie immer noch kurz am Widerrist kraulen und ihr für das Vertrauen und ihren Mut danken.

Ein ebenfalls in meinen Augen unsinniges Loben ist der, bitte entschuldigt meine Wortwahl, sprichwörtliche “Applaus für Scheiße”. Viele Pferdebesitzer stopfen ihren Lieblingen regelrecht die Leckerlies ins Maul. Und im Grunde für alles, was kein Lob verdient. Einfach mal so, weil es so süß ist, weil die Dressurstunde vor 45 Minuten ganz gut lief, weil man es von der Koppel geholt hat, weil es auf die Koppel gebracht wurde (auch hier erwische ich mich immer mal wieder selbst…), weil es so brav nichts gemacht hat während man sich unterhalten hat. Die Konsequenz eines inkonsequenten Umgangs mit dem Futterlob sind Pferde, die nicht verstehen, dass man tatsächlich etwas leisten muss, um sich ein Leckerli zu verdienen. Wenn man immer mal wieder Geld im Briefkasten finden würde, ohne dafür arbeiten zu müssen, wieso würde man dann noch auf der Arbeit antanzen? Und wäre man nicht sogar enttäuscht, wenn es eine zeitlang dann keinen Geldsegen mehr geben würde? Ein konsequent eingesetztes Futterlob ist in meinen Augen längst nicht mehr verwerflich, sondern hat mir schon oft geholfen nerviges Verhalten des Pferdes in Aufmerksamkeit und Mitarbeit umzuwandeln.

Nun zuletzt noch ein kleiner Hinweis zum physischen Loben. Eine leider sehr häufig verbreitete Art sein Pferd zu loben ist das Klopfen am Hals oder an der Hinterhand. Wären unsere Pferde wild, würden sie wohl schnell Reißaus nehmen, wenn wir versuchten ihnen den Hals zu klopfen. In Wahrheit müssen wir sie erst konditionieren, damit sie lernen, dass starkes Klopfen am Hals bedeutet, dass sie etwas gut gemacht haben. Wieso gehen wir also nicht dazu über, unser Pferd so zu loben, wie sie es auch untereinander tun – nämlich kraulend oder streichelnd. Trotzdem werden so viele Pferde (besonders in Reitschulen?) mit dem Klopfen am Hals belohnt. Je lauter es dabei knallt, desto größer war die Leistung des Pferdes. Ist das nicht verrückt? Ich bin mir sicher, unseren Pferden gefällt das Kraulen sehr viel besser als das Klopfen, und deshalb versuche ich mich auch umzustellen und ausschließlich so zu loben, wie es dem Pferd tatsächlich gut tut und gefällt.

Foto: Katja Danielski

Übrigens tut uns ja ein lobendes Wort auch immer gut. Für mich ist es auch schön Komplimente zu verteilen, und die Bemühungen anderer anzuerkennen. Ich weiß wie anstrengend es sein kann für seine Ziele zu kämpfen. Da tut ein aufmunterndes, lobendes Wort wirklich gut und motiviert uns nicht aufzugeben und am Ball zu bleiben. Lieber einmal zu viel gelobt!

HIER schreibt Tanja von Tash-Horse-Experience, wieso Lob zum richtigen Zeitpunkt so wichtig ist. 

Line von Kultreiter hat HIER ebenfalls einen sehr umfangreichen und schönen Artikel über das Loben geschrieben. Schaut da unbedingt mal rein!  

5 Antworten zu “Über das Loben.

  • Schönes neues Design, liebe Miri 🙂

  • Vielen Dank liebe Tanja! 🙂 Ich bin froh, dass es jetzt etwas übersichtlicher ist. Ich glaub meine Leser auch! 😀 Hab gerade gesehen, dass du auch vor kurzem einen Artikel geschrieben hast, der in eine ähnliche Richtung geht. Gefällt mir gut und ich brauche unbedingt einen tollen Targetstick! 😀

  • Hab jetzt grad einen bestellt, ist aber relativ klein (eigentlich für Hunde gedacht).. Für den Kleinen wird er reichen, aber zum Longieren etc. ist die Stange viel zu kurz 😀 da wirds wohl nicht ausbleiben, das selbst basteln.. hast du ne idee?

  • Also ich würde mir einen Tennisball auf einen Stab basteln. Ich habe mal eine Frau getroffen, deren Pferd hat immer als Belohnung am Ende der Arbeit noch Targettraining machen dürfen. Der hat nur diesen Ball an einer Gardinenstange gesehen und ist völlig ausgeflippt vor Freude! 😀 Immer dem Ball hinterher, das war sein Lieblingsspiel. Chevalier benutzt glaube ich eine Glitzerspringgerte in Stern-Form, das finde ich auch sehr süß! Ich würde allerdings gerne was in blau oder gelb haben, da das ja Farben sind die die Pferde am besten sehen können, so weit mein Wissensstand! 🙂

  • Dieses Video ist so süß! Ich war kurz vorm heulen, es hat einem echt prima gezeigt wie traurig und verwirrend falsches Training für Tiere sein kann 🙁

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