Herznotiz.

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Meine kleine Gedankensammlung.

We often wish for a change in our heart but fear the challenge that might come with it. This is why we stay in uncomfortable or unpleasant situations rather than accept the challenge and try to change by working on it. If there is a big risk to fail, we seem to freeze and stay where we are.

Yesterday my mare Faible took me on a beautiful outride. She had lots of energy and we literally rushed through the forest, just like a happily smiling dolphin in the sea. She was incredible fast but soft and very mind opened to me in the same way. I got goosebumps and couldn’t stop laughing and smiling from the inside out. 

It’s amazing how much we’ve changed during the last years. She used to buck me off lots of times, we lost ourselves in anger and fear before we even found each other. Yesterday I sort of reminded myself how much we’ve changed and how big but beautiful this challenge still is. It’s true what they say: If you can dream it, you can do it. All you’ve got to do is take the first step and move forward.
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Faible hat mich gestern auf einem Ausritt durch die wunderschönen Wälder getragen. Der Frühling steht in den Startlöchern und wir sind rasend schnell und glücklich durch das frische junge Grün gerast. Ich wäre fast vor Glückseligkeit geplatzt und habe mich daran erinnert, wie viel wir in den Jahren schon zusammen geschafft haben.

Sie ist so eine große Herausforderung für mich und rückblickend auf all die gefährlichen Manöver und Buckeleien bin ich mächtig stolz, wie verbunden wir gestern waren und wie sanft wir auch in den höchsten Geschwindigkeiten miteinander kommunizieren konnten.

Wenn Faible mich eines gelehrt hat, dann dass wir an unseren Träumen arbeiten dürfen und unser Glück genießen sollten, wann immer wir es spüren können.

Vor längerer Zeit habe ich beschlossen Menschen gehen zu lassen, die mir nicht gut tun und mich herunterziehen. Nicht weil sie mich extra klein halten wollen, oder weil sie mir gerne meine Träume ausreden würden. Sondern eher weil es sich anfühlt, als würden unsere Energien nicht recht zusammen passen. Als hätte ich zu kleine Schuhe an, wenn wir zusammen sind. Als würde ich an einem Ort sein, an dem ich mich nicht wohl fühle. An dem ich nicht geliebt werde und unsicher bin.

Ich glaube nicht, dass sie das mit Absicht machen. Wahrscheinlich haben sie ein großes Herz und wollen mir gar nichts böses. Aber ich bin nicht ich selbst, wenn ich mit ihnen zusammen bin.

Gehen lassen zu können hat mein Leben bereichert. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, muss man nicht einmal laut werden, oder einen großen Schnitt machen. Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, werden sich die unpassenden Gedanken, Gefühle, Menschen, Gewohnheiten von selbst verabschieden. Wir müssen sie nicht wegjagen. Sie werden von selbst gehen, wenn wir unser eigenes Leben leben und sie loslassen können.

Freundschaft bedeutet nicht, sich gegenseitig ständig Komplimente und Geschenke zu machen. Es bedeutet nicht, sich nur in die Eigenschaften zu verlieben, die für alle Welt als stark und bewundernswert angesehen werden.

Freundschaft bedeutet, dass man sich in Anwesenheit des anderen wohl fühlt, so wie man ist. Dass man durch die Freundschaft stärker wird, zu sich selbst stehen lernt und sich selbst finden darf, auch wenn das bedeutet, dass man sich verändert.

Wenn uns jemand für eine lange Zeit herunterzieht, dürfen wir ihn gehen lassen. Wenn uns jemand wahrhaftig inspiriert, bestärkt, verschönert und hilft zu uns selbst zu finden, sollten wir uns für diese Freundschaft einsetzen. In guten Zeiten, aber besonders auch in schlechten Zeiten.

Das ist es wert. Und das sollten wir uns wert sein.

Freundschaften müssen nicht für immer sein.

Es ist schön, wenn sie lange halten, und man einen großen Teil des Weges zusammen geht. Aber manchmal passt es eigentlich nicht mehr, dass man ab und zu Schuhe tauscht und sich gegenseitig trägt.

Da wird die Last zu groß und die Freundschaft eine Nutzschaft, Gewohnheit, Egotour. Es wandert der Neid mit, das Unverständnis oder das schlechte Gewissen. Der eine Weg sieht vielleicht immer noch genauso aus, wie zu Beginn der Freundschaft, während der andere längst hochalpinem Gelände ähnelt, auf dem man klettern muss, oder durch Staub und tiefe Wasserlöcher watet.

Die Umstände müssen gar nicht auf beiden Wegen gleich sein. Manchmal ist man auch dankbar, wenn man für ein kurzes Stück wieder über die asphaltierte Straße gehen darf, auf der man schon früher so herrlich leichte Spaziergänge unternommen hat.

Doch wenn nur der eine Teil flexibel bleibt, und der andere keinen Fuß in den anstrengenden Wegabschnitt des Freundes setzen kann, dann ist es auch manchmal an der Zeit adieu zu sagen. Vielleicht nicht für immer, aber für die Zeit, in der man mit leichtem Gepäck reisen muss, um seinem Ziel ein bisschen näher zu kommen und die Etappe zu schaffen.

Eine Entscheidung für sich selbst muss keine Entscheidung gegen den anderen sein. Und doch zerbrechen so viele Freunschaften, in denen die Wege sich anfangs noch sehr geähnelt haben, und in denen es zu Beginn ganz leicht war, sich gegenseitig ein Stück mitzunehmen.

Wenn wir versuchen uns mit einem kleinen Kätzchen anzufreunden und es zu zähmen, dann füttern wir es an, reden beruhigend mit leiser Stimme und ziehen uns zurück, sobald es seine Angst zeigt. Wir geben im Tage und Wochen, bis es sich uns aus eigenen Stücken nähert und bereit ist uns sein Vertrauen zu schenken.
 
Auch einem Hund, den wir nicht kennen, sagen wir vorsichtig „Hallo!“ und überfallen ihn nicht wenn wir bemerken, dass er schüchtern und verunsichert ist.
 
Einem fremden Menschen geben wir ebenfalls vorsichtig die Hand, wenn wir bemerken, dass er sich (noch) nicht wohl in seiner Haut fühlt. Wir sind höflich, ermutigen ihn vielleicht sich an einem Gespräch zu beteiligen und interessieren uns für seine Geschichte.
 
Wieso sollte es mit Pferden anders sein? Wie kann man zähmen, indem man es in seinem Wesen in die Schranken weist, in der Hoffnung aus einer solchen Basis könnte sich eine echte Freundschaft entwickeln?
 
Zuerst kommt das vorsichtige Kennenlernen, das „Beschnuppern“, das Einordnen, ob uns unser Gegenüber auch wohl gesonnen ist. Dann kommt die Ermutigung mehr von sich zu erzählen, seine Talente zu zeigen und seine Geschichte zu erzählen.
 
Wir Menschen neigen dazu unserem Pferd (und anderen) seine Geschichte zu erzählen, noch bevor es sie uns selbst erzählen konnte.
 
Würde mir jemand erklären wollen was ich fühle, was ich kann, wie ich denke – noch bevor wir uns überhaupt vorsichtig annähern konnten – ich würde ihn wohl als vieles bezeichnen, aber nicht als meinen Freund.

Am Wochenende bin ich an einem Abend am Stall angekommen, als es bereits dunkel war. Faible begrüßte mich freundlich und kam vom Heu zu mir in den Stall. Dort wartete sie dann ungeduldig, bis ich sie endlich zu mir auf die Stallgasse ließ. Ohne bewusst darauf zu achten war ich an diesem Abend erwartungslos und ruhig.

Ich beschloss alles mit dem Clicker zu „erarbeiten“, ohne dass ich dabei an eine bestimmte Aufgabe dachte. Ich versuchte meiner Philosophie treu zu bleiben und das zu bestärken, was ich gerne sehen wollte. Das Ergebnis hat mich sehr berührt.

Faible stand frei in der Gasse, ohne Halfter und Strick. Sie beobachtete mich sanft mit ihren großen Augen und ihre Ohren lauschten aufmerksam meinen leise gemurmelten Liebesbekundungen. Ich putzte sie ganz langsam, ohne Zeitdruck und in aller Ruhe von Kopf bis Huf. Faible stand geradezu „geerdet“ auf der Stelle und ließ sich in großen zeitlichen Abständen von mir bestätigen, dass ihr Verhalten genau so von mir am liebsten beim Putzen gesehen wird.

Sie gab mir ihre Hufe, ohne dass ich sie dafür berühren musste. Sie schien erfreut über meine innere Ruhe. Wir spiegelten uns und es lag eine seltene Sanftheit in der Luft, frei von äußeren Eindrücken, Erwartungen und Spannungen. Wir waren ganz beieinander.

Ich beschloss ein wenig im Stand zu arbeiten und zeigte ihr den weichen Kappzaum. Gerade war sie mir noch neugierig gefolgt, da stutzte sie und überlegte, was sie mir auf meine Frage antworten sollte. Ich stand bewegungslos mit dem Zaum vor ihr und sie drehte sich um und ging. Ich folgte ihr nicht.

In aller Ruhe und mit den Ohren zu mir gedreht lief sie die Gasse entlang bis zum Ende. Sie schaute überrascht, dass ich mich nicht bewegt habe, und kam mir vorsichtig wieder entgegen, bis sie wieder direkt vor meiner Nase stand. Noch immer hielt ich den Kappzaum in der Hand.

Es dauerte wenige Minuten und eine weitere kleine Bedenkpause ihrerseits, bis Faible ihren Kopf ganz vorsichtig in den Zaum steckte und ich sie bestärkte und ihr damit zeigte, dass ich mich darüber freute. Sie war bereit.
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In den vergangenen Wochen haben wir immer mal wieder am Kruppeherein gearbeitet und konnten uns nicht recht auf eine für uns beide verständliche Kommunikation einigen. Mal frage ich sie mit dem Hüfttarget, mal tippte ich die gegenüberliegende Seite an. Damit habe ich uns beide verwirrt und wir haben zusammen immer etwas gefrustet die Übung beendet. Nicht so an diesem Abend.

Mit der Ruhe, die in der Luft lag, fingen wir an zu experimentieren. Plötzlich verstand sie – nein, plötzlich verstand ich! – und Faible zeigte mir ein so schönes Kruppeherein, dass ich mich innerlich fast überschlug vor Freude. Ihr selbst rutschte ebenfalls eine Art Mini-Brummler raus und wir waren beide begeistert, dass wir uns endlich in dieser Sache verstehen konnten. Ich belohnte sie mit ihrem Futtereimer, doch Faible wollte gar nicht lange essen. Immer wieder hob sie den Kopf und kam meinem Angebot nach, dass wir die Übung wieder und wieder zusammen durchspielten. Faible frisst sehr gerne, und diese Übermotivation ist deshalb für uns wirklich eine Besonderheit, die ich so noch nicht erlebt habe.

Nach sieben, acht weiteren Durchläufen und als sie endlich ihren Eimer leer gegessen hatte, verabschiedeten wir uns voneinander. Faible stand noch lange im Stall neben mir, als ich die Stallgasse fegte und ihre Sachen aufräumte. Wir verabschiedeten uns erneut und ich fuhr heim. So ein wohliges Gefühl hatte ich lange nicht im Bauch.
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Diese kleine Geschichte zeigt mir, dass es sich immer lohnt auf die Freiwilligkeit des Pferdes zu warten. Die Ergebnisse, die sich aus einem freiwilligen Miteinander ergeben, die sind für mich bemerkenswert schön und klingen lange in mir nach. Ja, der Weg IST das Ziel. Der Weg zum Verständnis ist viel wichtiger als die Lektion selbst. Der Weg bringt uns näher zusammen oder entfernt uns weiter voneinander.

Für das Pferd ist jedes Ergebnis ein Endergebnis. Es kennt keine vollkommene Lektion, es weiß nicht, wann es „geschafft“ ist. Aus diesem Grund versuche ich mich über jeden Schritt in die richtige Richtung so zu freuen, als wäre es die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Im Moment lösen Faible und ich uns in der freien Arbeit immer mehr von der Bedeutung der „Freiheitsdressur“. Die beiden Wörter Freiheit und Dressur wollen für mich nicht mehr recht zusammen passen. Möchte ich dressieren, oder möchte ich in Freiheit arbeiten?

Nach wie vor lege ich gerade den Fokus auf die Sanftheit, versuche uns beide im Kopf nicht hierarchisch untereinander aufzustellen, sondern unsere beiden Persönlichkeiten in jeweils eine Waagschale zu legen und eine Art Balance zwischen unseren unterschiedlichen Eigenschaften und Talenten zu finden. Ich bin berührt wie Faible das annimmt und mir immer öfter selbst vorschlägt woran sie gerne arbeiten möchte.

So entwickelt es sich mehr zu einem Tanz, der zu uns beiden passt, und bei dem auch mein Pferd den Takt mitbestimmen darf.

Zu einer gesunden Beziehung gehört auch Streit. Faible und ich können uns gut streiten. Manchmal müssen wir beide unsere Meinung äußern und ich finde es fair, dass sie ihrem Unmut dann genauso Luft machen darf wie ich. Faible ist als Leitstute ziemlich selbstsicher und prüft mich deshalb jeden Tag auf meine eigene Selbstsicherheit.

Auch wenn mich nach einem Streit schon mal das schlechte Gewissen plagt, so bin ich überzeugt, dass wir alle diese kleinen „Stürme“ brauchen, die unsere Unzufriedenheiten im Alltag laut aufwirbeln und anschließend auch davon pusten.

Rückblickend habe ich oft für eine Zeit versäumt mich an meine eigenen Regeln zu halten. Diese wurden von mir dann für eine Zeit vernachlässigt. Wenn mir endlich mein Versäumnis auffällt, dann nervt mich plötzlich, dass Faible sich nicht mehr daran hält, obwohl sie mich nur gespiegelt hat. Deshalb stimmt der Satz: „Wenn du dich über dein Pferd ärgerst, könntest du dich genauso gut über dich selbst ärgern.“

Auch wenn wir mal nicht einer Meinung sind, so möchte ich nicht im Streit auseinandergehen. Das Vertragen ist der vielleicht schwerste und wichtigste Punkt des Streitens. Was am Ende zählt, ist nicht die Schwere der Schuld, oder die Art des Konflikts. Am Ende zählt die Gewissheit, dass kein Streit etwas an der Basis einer Beziehung ändern kann. Dieses Grundvertrauen macht eine ausbalancierte Beziehung für mich erst aus. Vertragt ihr euch mit euren Pferden? Könnt ihr euch auch bei ihnen entschuldigen?


„Wie lange habt ihr gebraucht…?“
„Seit wann macht ihr…?“

Zahlen, Daten und Werte werden von uns im Leben oft überbewertet. Dieses Foto ist nicht einmal ein Jahr alt, und doch kommt es mir vor wie eine Ewigkeit. So groß ist unser persönlicher Entwicklungssprung in den letzten Monaten gewesen. Es gibt keinen zeitlichen Rahmen oder eine vorgegebene Hürde, die wir für unser Glück bezwingen müssen. Du musst keine fünf Kilo abnehmen um dich endlich wohl zu fühlen. Vielleicht reichen schon zwei oder erst acht, vielleicht liegt der Ursprung des Unwohlseins im eigenen Körper aber auch ganz woanders.

Vielleicht reicht schon ein einziger Moment aus, um ein Problem mit dem Pferd zu lösen. Vielleicht braucht es aber auch Jahre, bis wir uns endlich gegenseitig verstehen. Vielleicht ist es ein ständiger Prozess, den wir nur mit Liebe, Geduld und Beharrlichkeit fortführen können, nicht aber mit Zeitdruck und hohen Erwartungen.

Ich möchte für das gute alte #Bauchgefühl sprechen. Wenn sich etwas falsch anfühlt, dann gibt es nämlich einen guten Grund dafür.
Womöglich erkennen wir ihn erst viel später, doch meist warnt uns das Bauchgefühl schon im richtigen Moment.

Besonders in der Arbeit mit Pferden möchte ich noch mehr auf mein Bauchgefühl hören. Wenn mir mein Pferd signalisiert: Zu früh! Zu viel! Zu schnell! – dann ist es zu früh, zu viel oder zu schnell. Kein Drama, sondern eine wertvolle Erkenntnis, die uns davor schützt ganz blauäugig in ein Lehrbuch zu schauen und unabhängig von unserer individuellen Situation voreilige Schlüsse zu ziehen und zu handeln.

Immer öfter bemerke ich, dass mein Bauchgefühl auch zu Faibles Meinung passt. Erst will ich es überhören, darüber hinweg arbeiten, aber es ist beharrlich anwesend und zeigt sich anschließend als ein „schlechtes Gefühl“, wenn ich mich anschließend reflektiere.

Auf das eigene Bauchgefühl zu achten lässt uns übrigens auch im pferdefreien Alltag glücklicher werden. Es versucht uns auf unsere wahren Bedürfnisse aufmerksam zu machen und schützt uns vor kopflastigen Fehlentscheidungen. Wenn der Bauch eine klare Entscheidung trifft, sollten wir den Mut finden ihm zu vertrauen. Unsere Pferde tun das konsequent ihr Leben lang.



Andauernd schauen wir auf den Spiegel. Checken ob die Hülle sitzt. Sehen uns selbst prüfend mit den Augen anderer an. Kritisieren die Person, richten was zu retten ist.

Selten schauen wir tatsächlich IN den Spiegel hinein. Tauchen ab in die Seele unseres Gegenübers, ergründen was ihn umtreibt, lernen ihn zu verstehen.

Das Gegenüber sind wir selbst. Die Angst vor dem Blick in den Spiegel lässt uns beschäftigt tun, stressig sein, gestresst sein. Erreichbar und online für alle, außer für uns selbst.

Für den echten Blick in den Spiegel müssen wir abschalten, ruhig werden. Uns selbst vergeben um unseren inneren Frieden zu finden.

Nun stell dir vor der Spiegel ist dein Pferd. Lies den Text noch einmal.



Das Paradies sieht wohl für jeden ein bisschen anders aus. Für manche Menschen ist es ein prall gefüllter Kleiderschrank, ein schnelles Auto, ein karibischer Strand. Andere wandern am liebsten in den Bergen oder stürzen sich in Partys und schwimmen gut gelaunt durch die Menschenmassen. Für mich ist das Paradies an Orten wo ich mich wohl fühle, bei Menschen und Tieren die mich lieben wie ich bin, wo ich unverstellt und ehrlich zu mir selbst sein kann. Wo ich die Zeit vergesse und abschalte. Einmal dürft ihr raten wo sich mein größtes Paradies befindet.



Ich glaube nicht an Zufälle. Es gibt einen Grund wieso du besondere Menschen und Tiere triffst. Wenn man herausfindet, welche Aufgabe sie im eigenen Puzzle spielen, dann mann man sich selbst verbessern und vergrößern. Dabei ist es nicht wichtig, ob man nur gute oder schlechte Erfahrungen macht – lernen kann man von beiden. Faible lehrt mich demütig zu sein, an mir selbst zu arbeiten und das Leben zu bejahen. Sie ist ein großes Puzzleteil und unsere Verbindung fügt sich Stück für Stück zu einem schöneren Kunstwerk zusammen.



Wer das große Glück bei anderen sucht, der vergisst oft sein eigenes.
Glücklich zu sein bedeutet sich selbst zu lieben und auch gerne Zeit mit sich alleine verbringen kann. Das mag komisch klingen, aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass es ein Schlüssel für persönliches Glück ist. Wer sich selbst nicht leiden kann, der kann es auch niemandem verübeln, dass andere ebenfalls lieber keine Zeit mit ihm verbringen möchte.

Pferde sind da sehr deutlich. Ist man launisch und für sich selbst schon ganz schlechte Gesellschaft, dann schließen sie sich uns auch nur ungern an.

Liebt euch selbst und liebt das Leben – dann könnt ihr Liebe weiterschenken und bekommt sie tonnenweise zurück.



Wenn wir uns über das Verhalten unserer Pferde ärgern, dann sind wir in Wahrheit über unser eigenes Unvermögen sauer.

Das mag erst einmal härter klingen als es gemeint ist. Zwei Lebewesen mit unterschiedlichen Prioritäten, unterschiedlicher Sprache, unterschiedlicher Moral. Wie soll das harmonisch gut gehen?

Streit entsteht dann, wenn sich einer von zweien nicht verstanden fühlt. Wir als „Fragensteller“ sind dann enttäuscht und gefrustet, weil uns das Pferd nicht die richtige Antwort liefert. Ein „Aufrüsten“ für eine angeblich bessere Kommunikation ist dann in meinen Augen meist das Zeugnis für Unwissenheit, wie man es stattdessen auf respektvolle Weise erklären könnte.

Das Geheimnis ist gute Kommunikation. Geben statt nur nehmen, Erwartungen auch erfüllen statt zu stellen. Wer Harmonie einfordert, der hat etwas ganz grundlegendes noch nicht verstanden. Harmonie ist Verstehen, Lernen, Kompromisse finden. Harmonie kann man einem Pferd nicht beibringen, wenn man nicht selbst bereit ist sie auch zu leben.



Angst vor Schwäche?
In unserer ach so perfekten Welt gibt es meist keinen Platz für Schwächen. Deshalb verstecken wir sie, betonen unsere Stärken, schmücken uns mit dem was wir bereits erreicht haben. Manche reden besonders gerne über die Schwächen anderer, um selbst stärker zu wirken und vom eigenen Unvermögen abzulenken. Die Gefahr die wir dabei eingehen ist jedoch ein Vertuschen von eigenen Baustellen, die eigentlich ganz wichtig sind um uns weiterzuentwickeln.

Wieso haben wir so ein Problem damit zu unseren Schwächen zu stehen? Haben wir Angst sie würden uns entwerten, sobald sie von anderen gesehen werden? Fühlen wir uns selbst weniger wertvoll, wenn wir sie an uns entdecken? Mein Gefühl ist, dass eine Schwäche erst dann zum Problem wird, wenn wir aus ihr ein Problem machen. Wenn wir meinen sie verstecken zu müssen, um eine bestimmte Rolle zu erfüllen.

In Wahrheit zeigt man Stärke, wenn man zu seinen Schwächen stehen kann, und sie nicht als Ballast ansieht. Beim Pferd merke ich oft, dass ich ein Problem erst bearbeite, wenn es mir ins Gesicht springt. Solange es unser Gesamtbild nicht stört, wird es von mir auch gar nicht richtig wahrgenommen, damit ich mich auch ja nicht schlecht fühle. Was für ein Blödsinn! Ich weiß, dass Pferde immer authentisch sind. Und dass sie am liebsten von uns ebenfalls Authentizität sehen möchten. Manchmal ist es sinnvoll (wenn auch schwierig) sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu schauen: Was klappt gut? Wo hakt es? Wenn wir fair zu uns selbst sind, ist eine Schwäche keine negative Eigenschaft. Sie ist ein Teil von uns, sie macht uns aus. Schwächen machen aus uns gemeinsam mit unseren Stärken einen authentischen Menschen, wenn wir bereit sind zu unserem Komplettpaket zu stehen. Wir tragen sie eh mit uns mit, und vor den Pferden können wir sie nicht verbergen. Wenn wir stattdessen positiv denken und keine Angst davor haben zu lernen wer wir (wirklich) sind, können wir lernen zu uns selbst zu stehen.


Ich habe keinen grünen Daumen. Die Pflanzen in meiner Wohnung sind entweder extrem stressresistent, oder sie werden regelmäßig ausgetauscht. Manchmal bringe ich sie sogar zu meinen Eltern zur Reha – kein Scherz! Wenige Wochen später kann ich sie dann wieder austauschen, gegen meinen nächsten Pflegefall.
Freundschaft und Vertrauen zum Pferd sind ähnlich sensibel und brauchen viel Pflege und einen guten Nährboden. Mit meiner Freundschaft zu Faible treibe ich keinen Schabernack, ich gieße sie täglich. Ich lese mich ein, wie sie noch besser wachsen und gedeihen kann, und versuche eine gute Gärtnerin zu sein.
Anfangs war unsere Freundschaft ein Hälmchen, klitzeklein und leicht umzupusten. Ich hätte sie ohne Mühe aus dem Boden zupfen können. Einige Male war ich mir fast sicher, ich hätte sie womöglich vergiftet oder falsch gepflegt, so zerbrechlich und schwach schien sie zu sein. Mittlerweile wird sie stärker, auch ein grober Windstoß wird von uns belächelt, selbst wenn ein paar kleine Ästchen abbrechen. Wir raufen uns zusammen, kennen unsere Wurzeln, und sind uns mittlerweile sicher – unsere Freundschaft ist auf dem Weg ein echter Baum zu werden.

Jetzt kommt wieder der Frühling, und ich sehe gute Chancen auf schöne Blüten. Dicke Früchte sind noch nicht zu erwarten, aber wir sind guter Dinge eines Tages eine reiche Ernte einzufahren. Wenn die Zeit reif dafür ist!


Oft ist mir das Pferd ein großes Rätsel. Obwohl ich mir so sicher bin, dass die Sprache der Pferde eindeutig ist, fällt es mir doch oft noch schwer, sie auch richtig zu deuten. Manchmal frage ich mich, ob ich nicht viel zu viel in ihr Verhalten hineininterpretiere. Ob es nicht viel einfacher ist, einfacher, als wir alle vermuten. Ob meine Antworten nicht alle auf der Hand liegen, und wir Menschen einfach viel zu verkorkst denken, und das Offensichtliche übersehen. Ich glaube wir müssen die Sprache der Pferde neu lernen. Wir müssen aufhören zu versuchen ihnen unsere Sprache aufdrücken zu wollen. Wir sollten mehr hören statt eindringlich Pferdeflüsterer zu spielen!


Es ist vielleicht nur eine Sekunde, ein Hauch von Gefühl. Ein Moment, der kaum greifbar ist, und trotzdem sind wir uns anschließend sicher – er war da! Ganz sicher. Für einen Augenblick war es so perfekt, dass wir uns das Gefühl am liebsten eingerahmt ins Regal stellen würden. Der Moment, der genau so war, wie wir es in unseren Träumen gesehen und gefühlt haben.
Ich spreche von einem der Träume, die jeder von uns ganz heimlich in sich trägt. Vielleicht sieht er bei einem von euch aus wie das Bild eines kleinen Mädchens, das barfuß und ohne Zaumzeug und Sattel auf seinem Pferd über ein Feld galoppiert. Oder er sieht aus wie ein schicker Dressurreiter, der ganz in weiß und schwarz gekleidet mit seinem Partner durch den Sand tanzt. Oder euer Traum ist laut und wild, ihr sprintet mit eurem Pferd durchs Unterholz, duckt euch im Galopp unter Ästen hindurch an den warmen Pferdekörper, und springt mit ihm über Wasser und Baumstämme. Oder euer Traum ist still und friedlich, spielt sich auf einer bunten Wiese ab, wo ihr mit eurem Pferd im Gras liegt und gemeinsam ein Mittagsschläfchen haltet.
Es spielt gar keine Rolle wie euer Traum aussieht. Viel wichtiger ist, dass ihr nicht aufhört ihn zu träumen. Dass ihr euch vorstellen könnt, wie es sein wird, wenn er Wirklichkeit ist. Ohne Zeitdruck, wann es endlich soweit sein wird, bis ihr ihn endlich erleben werdet. Träumen dürft ihr immer, ganz egal wo ihr seid und wie es euch geht. Es ist egal, wer euren Traum für möglich hält, und ihr müsst niemandem von eurem Traum erzählen. Tragt ihn im Herzen und reitet ihm hinterher. Es wird der Tag kommen, an dem ihr dem Gefühl aus eurem Traum so nah kommt, dass es euch eine Gänsehaut bereitet, und ihr die ganze Welt umarmen wollt. Oder euer Pferd.

Sich mit dem Pferd zusammen zu verbessern ist ein bisschen wie mit dem Partner in die Tanzschule zu gehen. Am Anfang sind beide noch etwas unsicher, lernen den anderen intensiver kennen, und man tritt sich noch regelmäßig auf die Füße und muss sich sehr konzentrieren. Nach ein paar Tanzstunden hat man schon die ersten kleinen Bewegungen verinnerlicht, und es sieht auch gar nicht mehr so unbeholfen aus. Man kommt ab und zu noch aus dem Takt und findet sich danach aber immer schneller wieder. Wenn man dann zum ersten Mal ein ganzes Lied durchtanzen kann, fühlt man sich wie bei Let’s Dance und würde am liebsten jedem erzählen man könne gut tanzen.

Und dann schwebt eines dieser Pärchen an einem vorbei, das seit so vielen Jahren miteinander tanzt, und als vollkommene Einheit auftritt. Man kann nicht erkennen wer wen führt, beide Tänzer genießen die Bewegungen, und die Verständigung erfolgt für den Zuschauer unsichtbar. Das Bild der zwei Tänzer ist mein Ziel. Am liebsten natürlich mit meiner Lieblingstänzerin Faible.


Faible ist das wunderschönste Pferd der Welt. Sie ist stolz und anmutig, und lässt mein Herz höher schlagen. Manchmal vergesse ich alles um mich herum, wenn ich sie nur ansehe.
Wisst ihr was ich toll finde? Ihr habt auch das schönste Pferd der Welt bei euch im Stall stehen. Es ist euer eigenes Pferd. Das Tier, für welches ihr Verantwortung tragt, für das ihr sorgt, und mit dem ihr Höhen und Tiefen durchsteht.
Für jeden von uns sollte das eigene Pferd das schönste Pferd der Welt sein. Es kommt nicht auf die Rasse an, oder die Größe und Farbe. Das Alter ist egal, und auch die Talente des Pferdes spielen keine Rolle. Freundschaft kommt von Herzen, und mit dem Herzen solltet ihr euer Pferd ansehen. Jeden einzelnen Tag!

Mir ist kaum ein Tier bekannt, das so deutlich seine Gefühle zeigt, wie das Pferd. Und es ist geradezu erstaunlich, dass wir Menschen dieses Tier oft so wenig ernst nehmen, in seiner Körpersprache und Mimik. Allein die Augen des Pferdes erzählen uns so viel über seine Gefühle. Wir können Freude, Kummer und Leid in ihnen lesen, wenn wir nur genau hinschauen. Es ist die große Bürde des Pferdes, dass es keinen Laut für Schmerzen hat. Pferde ertragen vieles, und zeigen uns doch so deutlich, was ihnen nicht passt. Seitdem ich Pferde intensiver studiere und beobachte, fällt mir so viel auf, was vorher unsichtbar für mich war. Wir sollten alle unseren Blick schulen, das Schmerzgesicht unseres Pferdes zu kennen, und Unwohlsein jederzeit zu erkennen und vor allem ernst zu nehmen.
Faible lehrt mich, besser auf mein Gefühl zu achten, und dem auch nachzugeben. Sie ist eine unglaublich selbtbewusste Stute, und ich muss mir ihr Vertrauen hart erarbeiten. Wenn sie ein „Nein-Gefühl“ hat, dann meißelt sie dieses Gefühl für mich in Stein. Es klingt so als würde sie mir damit mein Leben erschweren, und für viele mag dies auch zutreffen. Ich glaube aber, wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann macht sie mir das Leben damit leichter. Sie sagt mir, was ihr nicht passt. Ich muss mich mit ihrer Meinung beschäftigen. Nur so habe ich eine Chance, ihr Leben und unsere Freundschaft so zu gestalten, dass wir beide uns auch wohl fühlen. Es kommt nicht darauf an, wie ich ihr Leben finde. Es kommt darauf an, ob sie glücklich ist, mit ihrem Leben und mit mir an ihrer Seite. Mache ich mir dies immer wieder bewusst, so kann ich ihr „Ja-Gefühl“ richtig genießen und darauf aufbauen.

Heute habe ich im Radio eine Geschichte über einen Motivationstrainer gehört. Den Namen habe ich vergessen, seine Nachricht habe ich mir aber sehr zu Herzen genommen, und möchte sie euch nicht vorenthalten.
Er schlägt vor, das Leben wie eine Tasse Tee zu nehmen. Diese Tasse wird wieder und wieder mit neuen leckeren Sorten gefüllt, weil sie oben offen ist. Man kann, immer wenn einem danach ist, einen Schluck von dem selbstgemischten Tee trinken. Der Geschmack verändert sich ständig, weil man neue Sorten findet, und sie zum Tee hinzufügt.
Ich musste schmunzeln, denn er sprach mir damit aus der Seele. Die Reiterwelt ist so bunt, so voller Geschmacksrichtungen. Und ich kann niemals genau den gleichen Geschmack treffen, wie den der anderen Pferdemenschen, die ebenfalls ihre Tasse Tee mit sich herumtragen, und andere Geschmacksrichtungen und Kräuter hinzufügen. Mein Tee ist persönlich. Er enthält das, was mir auf meinem Weg aufgefallen ist, und was ich meiner Tasse hinzugefügt habe. Es warten sicher noch ganz viele andere Aromen darauf, von mir gepflückt und hinzugefügt zu werden, und vielleicht werden sie auch alte Sorten übertünchen.
Es liegt also in meiner Hand, mir den Tee zusammenzustellen, der mir am besten schmeckt. Und ich trage die Tasse mit mir herum, und kann genüsslich einen Schluck davon nehmen, wann immer mir danach ist!

Wenn ich es schaffe, nehme ich mir die Zeit mit meinem Pferd zusammen zu sein, ohne etwas von ihm zu verlangen. Habe ich Zeitstress, so muss alles immer schnellschnell gehen. Den Stress übertrage ich dann auf das Pferd, und wir haben eine ungemütliche Zeit. Umso wichtiger sind also die Momente, in denen ich mich einfach auf die Wiese oder ins Stroh setze, und nichts von meinem Tier verlange.
Auch wenn es nur eine kurze Zeit ist, so ist die Nachricht, die ich damit sende, unglaublich schön für das Pferd: Ich bin da, sei so wie du bist. Ich störe dich nicht, du darfst aber zu mir kommen, wenn dir danach ist. Ich bin auch nicht traurig oder enttäuscht, wenn du einfach weiter dein Heu oder Gras mümmelst.


„Was du liebst, lass frei. Kommt es von selbst zu dir zurück, so ist es für immer dein.“

Wir Menschen sind ziemlich schnell besitzergreifend. Es ist wie eine Verlustangst, ein Ur-Instinkt, dass wir halten wollen, was wir lieben. Früher habe ich immer gesagt: „Wenn ich mal ein eigenes Pferd habe, dann werde ich da sicher niemand anderen dran lassen.“ Man wünscht sich, die größte Bezugsperson für sein Pferd zu sein, und es versetzt einem einen Stich ins Herz, wenn man sieht, wie das eigene Tier auch mit anderen Menschen anbändeln will. Ein Tier „für sich“ haben zu wollen ist für mich also absolut nachvollziehbar. Trotzdem sehe ich vieles heute ein bisschen anders und deutlich gelassener.

So, wie wir keinen Menschen besitzen können, und uns Eifersucht nur weiter von ihm entfernen würde, so können wir auch kein Tier besitzen. Mittlerweile freue ich mich darüber, wenn auch anderen Freude an meinem Pferd haben. Wenn sie achtsam mit ihm umgehen, ihm ebenso Liebe schenken, wie ich es tue, dann ist das für mein Pferd ein Gewinn. Ich trage die Verantwortung für mein Tier, und ich habe die Entscheidungsgewalt darüber, wo und wie es leben muss, und vor allem mit wem es leben muss. Es darf diese Entscheidung nicht treffen, weil ich sein Besitzer bin. Ist das nicht schon „Besitz“ genug?
Ich bin gerade sehr dankbar, mit so vielen unterschiedlichen Pferden arbeiten zu dürfen, die allesamt verschiedenen Menschen gehören. Trotzdem sind sie es, sie ganz allein, die mir ein Stück ihrer Lebenszeit schenken.

Wenn ich frei mit einem mir noch unbekannten Pferd arbeite, ohne Halfter, ohne Zwang, dann kann ich nicht vorher abschätzen, was passiert. Ich lasse das Pferd entscheiden wohin es gehen möchte, und warte. Warten kann einen kurzen Augenblick dauern – es kann aber auch eine gefühlte Ewigkeit vergehen. Ich übe mich dann in Geduld, bis das Pferd selbst entscheidet, auf mich zuzugehen und mir seine Aufmerksamkeit zu schenken.
Wenn das Pferd selbst entscheidet Kontakt mit mir aufzunehmen, dann wird damit ein Grundstein gelegt für ein harmonisches, respektvolles Zusammensein.
Für mich ist dieser Grundstein so wichtig geworden, verändert er doch alles.
Das Pferd entscheidet sich für mich, ganz bewusst, und wählt die Zusammenarbeit mit mir.
So wie ich einen Hund nicht einfach streicheln würde, und so wie ich nicht einfach angefasst werden möchte – so sollte auch das Pferd gefragt werden, ob es sich auf mich einlassen möchte. Stellt man diese Frage in Demut, so passieren die schönsten Dinge zwischen zwei Lebewesen, die sich auf Augenhöhe begegnen.


Das Leben. Unfair? Ein sonniger Ausritt, neue tolle Menschen, gute Laune. Aufmerksam und vorsichtig tasten wir uns vor, freunden uns an. Das Leben, es ist schön. Wir haben keine Sorgen. Lachen.

Ein Anruf. Ein geliebter Hund wurde überfahren. Er ist von uns gegangen, als wir vergnügt durch die Felder ritten. Das helle, freundliche Lachen verwandelt sich in dicke, schwere Tränen.
Haltet den Moment fest, genießt eure Freunde, egal ob zwei Beine oder vier. Es kann so schnell vorbei sein. Was bleibt ist die Erinnerung.


Mir wird oft gesagt, dass ich mir keine Ruhe gönne. Dass ich ständig unterwegs bin und zu wenig Zeit für mich selbst einplane. Das „zur Ruhe kommen“ geschieht aber nicht nur auf dem Meditationskissen oder dem heimischen Sofa. Für mich ist in den Ruhephasen, beispielsweise kurz vor dem Einschlafen, ziemlich viel in meinem Kopf los, und ich bin meilenweit entfernt von meditativer Entspannung.

Die Entspannung und die Ruhe von der so viele Menschen sprechen, die finde ich, wenn ich im Stroh sitze und meinem Pferd beim Heu mümmeln zuhöre. Oder wir auf einem Ausritt oder Spaziergang sind und ich einfach mal die Seele baumeln lassen kann und sorgenfrei den Moment genieße, einfach mal abschalten kann.

Auch wenn sie gerade tausende Kilometer von mir entfernt ist: Danke kleine Faible, für unsere ruhigen Momente, in denen alles andere egal ist.♥



Wie lebt man Horsemanship?

Ich persönlich mag das Wort Horsemanship nicht besonders gerne. Es ist durch Erfahrungen mit Menschen und durch das Internet für mich inzwischen irgendwie negativ besetzt. Das liegt vielleicht an Videos, die ich gesehen habe, oder an Trainern, denen ich bei den sogenannten Horsemanship-Übungen über die Schulter schauen konnte.

Natürlich meinen wir es alle gut mit unseren Pferden – das möchte ich hier nicht infrage stellen. Und dass wir vom Boden aus mit dem Pferd Vertrauen aufbauen wollen, empfinde ich als einen großen Schritt in die Richtung unser Pferd nicht nur als Sportgerät zu betrachten. Aber für mich ist der Begriff Horsemanship, wenn man es denn so nennen will, oft falsch gewählt. Wenn Horsemanship eigentlich auf eine harmonische Kommunikation abzielt, entsetzt es mich manchmal, wie viel Druck auf das Pferd ausgeübt wird. Und wie wenig das Pferd mitentscheiden darf. Ist Kommunikation nicht nur möglich, wenn beide Seiten zu Wort kommen?

Für mich bedeutet Horsemanship so wenig wie möglich und so viel wie nötig einzusetzen, um mich dem Pferd gegenüber verständlich zu machen. Für mich bedeutet Horsemanship aber auch, nicht nur dass ich mich dem Pferd verständlich mache, sondern auch einen ganz großen Schritt zurückzutreten und mich selbst zurückzunehmen. Den anderen lesen lerne. Auf seine Signale achte. Wenn man Horsemanship wirklich lebt, dann kann man diese Philosophie nicht abschalten, wenn man abends den Stall verlässt. Horsemanship als Lebenseinstellung umfasst wahrhaftig das Leben, und nicht nur den Umgang mit Pferden.
Tatsächlich bin ich der Meinung, wer sein liebevoll umsorgtes Pferd auf die Weide bringt, um kurz danach mit den anderen Reitern über das Unwissen oder die Hilflosigkeit einer Person abzulästern, der hat „gelebte Horsemanship“ nicht verstanden.



Irgendwie sind wir oft nicht mit dem zufrieden was wir haben. Wir sehen dann bei anderen Menschen Dinge, die wir selbst lieber hätten. Eigenschaften, die wir uns für uns selbst wünschen. Ganz schlimm ist für mich, wenn wir mit unserem Pferd nicht zufrieden sind. „Eigentlich wollte ich nie einen Haflinger haben…“ „Mein Traumpferd wäre aber wesentlich größer ausgefallen…“ „Ein bisschen mehr Temperament fänd ich schon besser…“ „Schade, dass er nicht besonders gut springen kann, da hat er einfach kein Talent..“

Tiere würden so niemals über uns urteilen. Sie nehmen uns an, so wie wir eben sind. Wenn wir unser Pferd nicht von Herzen perfekt finden – so wie es ist – dann wird es auch immer spüren, dass es nicht perfekt ist. Das Gleiche gilt für Freundschaften unter Menschen, und ganz besonders für die Liebe.
Dankbar sein, für das was wir sind. Dankbar sein, für diejenigen, die wir in unserem Leben bei uns haben. Strahlen wir sie an, werden sie auch zurückstrahlen. Und plötzlich ist nämlich doch alles perfekt.



Für mich stellt Faible alle in den Schatten, für mich ist sie perfekt, genau so wie sie ist. Es gibt diesen Spruch, dass es jedes Pferd verdient hat, einmal im Leben von einem Mädchen geliebt zu werden. Früher stand ich mit offenem Mund am Wegesrand um zu staunen, wenn ich Pferde getroffen habe. Es war wie Magie – ich konnte mich einfach nicht sattsehen. Manchmal kommt das kleine Mädchen von damals wieder zum Vorschein und staunt über die Anmut dieser stolzen Tiere.

Ich glaube, manchmal fehlt uns das kleine Mädchen, das noch nichts über Pferde weiß, und deshalb keine Regeln brechen kann. Es ist frei, und dankbar über jede Sekunde, die es einfach nur mit Pferden zusammen sein darf.



Vertrauen. Man kann es nicht erzwingen, man kann es nicht vortäuschen. Entweder ist es echt und ehrlich, oder man greift im Fall der Fälle zur „Sicherheit“ und traut wieder nur sich selbst. Doch nicht einmal das Selbstvertrauen kann man erzwingen, obwohl man es doch scheinbar selbst in der Hand hat. Mal die Verantwortung abgeben und auch darauf vertrauen, dass es gut wird, weil es in den Händen anderer liegt. Mal jemand anderem vertrauen, nicht nur sich selbst.

Sogar einem Pferd kann man vertrauen, nein man MUSS ihm sogar vertrauen, möchte man sein Vertrauen ebenfalls gewinnen. Wieso sollte uns das Pferd vertrauen, wenn wir von ihm immer erwarten unser Vertrauen auszunutzen? „What if I fall?“ – „Oh, but my darling, what if you fly?“



Wenn doch ein Pferd eine Fliege auf dem Fell spürt – wieso rüsten wir dann beim Reiten immer weiter auf? Benutzen immer schärfere Waffen, statt an unserem eigenen Feingefühl zu arbeiten? Wenn sich ein Pferd „den Hilfen entzieht“ oder „stumpf ist“ – sind wir dann nicht am Zug es wieder feiner zu machen und Hilfen so zu geben, dass sie tatsächlich helfen anstatt zu behindern? Der Schlüssel liegt in uns selbst. Zeigt euren Pferden, mit wie wenig ihr auskommt, anstatt mit was ihr alles reiten müsst, um bei ihm durchzukommen.



‚To break a horse‘ bedeutet auf Englisch ein Pferd einzureiten. Das Pferd brechen – seinen Willen dem des Menschen unterordnen. Wenn ich Faible beobachte, bin ich eigentlich sehr froh, dass wir unsere Meinungsverschiedenheiten haben, und sie mir zeigen darf, was sie fühlt. Ein Pferd, das seinen eigenen Kopf hat, ist ein stolzes und schönes Tier. Wir Menschen können unsere Pferde brechen, oder aber wir lassen zu, dass wir anstelle einer gebrochenen Seele ein stolzes Charakterpferd an unserer Seite haben.



Welchen Weg sollen wir wählen?

Ich glaube den richtigen Weg zu wählen ist gar nicht so wichtig, denn es kann gut sein, dass sich zwei zuerst unterschiedliche (Lebens-) Wege zu einem späteren Zeitpunkt wieder kreuzen. Wichtig ist eher, dass wir den Mut haben, uns für eine Richtung zu entscheiden. Nicht jedem wird unsere Wahl gut schmecken, und vielleicht ist der Weg nicht immer hell, freundlich und mit Fußbodenheizung ausgestattet.

Mir fällt es meistens schwer eine Entscheidung zu treffen – aber am Ende fühle ich mich besser. Ein Schritt nach vorne ist die richtige Richtung, da ist es erst einmal ganz egal, welchen Weg ich betreten habe. An Reitweisen wird immer so viel herumgemeckert – jeder weiß es besser und nichts ist gut genug. Doch wenn man sich nie für sich selbst entscheidet, wird man auch für sein Pferd keine Person sein, der es Entscheidungen zutraut. Gerade selbst so erlebt!



Viele erwarten, dass ihnen ihr Pferd immer seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Dass es gerne mit ihnen zusammen ist, und Spaß an der Arbeit hat. Sie wären mehr als enttäuscht, würden sie ihrem Pferd die Chance geben seine Meinung zu äußern. Viele Pferde sind mit uns zusammen, weil wir ihnen nicht die Wahl lassen, sondern eine dominante Leitposition einnehmen wollen. Wenn wir Kontrolle dem Vertrauen vorziehen, wird sich unser Pferd vielleicht fügen – doch echte Partner begegnen sich auf Augenhöhe und dürfen sich gegenseitig sehr wohl auch mal die Meinung sagen.

Natürlich gefällt mir Faibles Wahrheit nicht immer, aber mittlerweile verstehe ich, dass wir nicht grundlos diskutieren. Nach einem schlechten Tag folgt meist ein ziemlich guter Tag, wenn ich mich neu sortieren konnte und das Spiel unter Freunden erneut beginnen kann!



„Neid sieht nur das Blumenbeet, aber nicht den Spaten.“ Manche sind neidisch auf andere, weil sie das Ergebnis einer geduldigen, liebevollen und intensiven Entwicklung sehen. Für Faible und mich ist der Weg noch weit, und ich schaue begeistert auf andere Pferde-Mensch-Paare, die ihre Beziehung über Jahre aufgebaut haben. Durch bessere und schlechtere Zeiten gestärkt herauszugehen, und auch in jedem Rückschlag für sich etwas Gutes zu sehen, ist nicht immer einfach, aber es macht die Beziehung einzigartig, und schreibt eine Geschichte, die es nur ein einziges Mal gibt.

Liebt eure Pferde für das was sie sind. Es gibt einen Grund wieso eure Wege sich kreuzen.