Erfahrungsbericht Südafrika 2009/2010

Ein halbes Jahr Südafrika – South African Lipizzaners.

September 2009 – Februar 2010

Nach meinem Abitur wollte ich unbedingt ins Ausland um mein Englisch zu verbessern. Ich sprach Freunde und Familie an, ob nicht jemand Kontakte hätte, bei denen ich mal anklopfen könnte. Ich bekam also Emailadressen in die Hand gedrückt und schrieb ein paar Zeilen in die große weite Welt. Vielleicht ist es einfach nur unverschämtes Glück gewesen, oder Schicksal – ich weiß es nicht. Aber ohne jemals auf dem großen schwarzen Kontinent gewesen zu sein flog ich also mit zarten 18 Jahren im September 2009 mit meinen Reitstiefeln im Gepäck nach Südafrika.

In Johannesburg (Gauteng Province) angekommen wurde ich liebevoll von Freunden meiner Tante und meines Onkels aufgenommen. Ich fuhr täglich nach Kyalami zu einer Art Zweigstelle der Wiener Hofreitschule, um von den edlen weißen Hengsten zu lernen. Ehrfürchtig saß ich Stunden über Stunden am Rand des Hufschlags, lauschte dem Unterricht und durfte an der Aus- und Weiterbildung der Pferde und der Reiter teilhaben.

Angefangen als „Mädchen für alles“ habe ich Pferde bandagiert, in die Halle geführt, kleine und große Aufgaben erledigt und wurde Teil der „Lippi-Family“. Schon bald durfte ich mich selbst in den Sattel schwingen und bekam viele motivierende, frustrierende, aufbauende und anstrengende Unterrichtseinheiten. Ich lernte die Longenstunden zu schätzen, in denen einzig und allein an meinem Sitz gefeilt wurde – auch wenn mir danach meist alles weh tat. Die Ruhe und Disziplin mit der die Reiter dort arbeiten ist für mich nach wie vor beeindruckend.

Nach einigen Wochen bei den Lipizzanern arbeitete zwischenzeitlich für zwei Wochen bei Freunden eines anderen Onkels, einer Familie die Araber züchtet. Ich wollte auch andere Seiten Südafrikas kennenlernen und fand mich in einem staubigen, ruhigen Dorf namens Sannieshof wieder (North West Province). Dort habe ich mich mit Vorliebe um ein „Problempferd“ gekümmert, eine junge Stute, mit der ich schnell Freundschaft schloss. Zusätzlich übte ich mich ein bisschen im Unterrichten und hatte eine schöne Zeit.

Lipizzanerhengst Neapolitano Romida und ich.

Zurück in Johannesburg arbeitete ich wieder bei den Lipizzanern und kümmerte mich nun zusätzlich auch um Pferde einer Privatperson, die in der Zeit nach Kapstadt umzog.

 Ich war schon wieder zur rechten Zeit am rechten Ort und profitierte sehr vom Training ihrer gut ausgebildeten Pferde. Da ich vormittags unter den strengen Augen der Chefreiter arbeitete, konnte ich mit den Privatpferden mein neu erlangtes Wissen anwenden und ausprobieren, ohne dass ich mir dabei Druck machte. Es war eine willkommene Abwechslung und rundete meinen pferdigen Alltag ab.

 

 

Ein bisschen „Freestyle“ arbeiten mit Rio.

Nach weiteren Wochen in Johannesburg zog es mich nach Howick, ein oft nebeliges und ebenfalls eher abgelegenes Örtchen im Vergleich zur großen Metropole Johannesburg. Auf Shafton Grange, einer Farm mit eigener Lipizzaner Zucht und angeschlossenem Gästehaus, arbeitete ich mit sehr unterschiedlichen Pferden und genoss lange Ausritte im Gebiet „Karkloof“. Meine Aufgabe war es zusätzlich mit den Gästen auszureiten und ihnen für die Zeit ihres Aufenthaltes möglichst nette Gesellschaft zu sein. Ich schloss einige Freundschaften und knüpfte neue Kontakte nach Durban.

Besonders die Stute Out of the Blue schloss ich in mein Herz, ein Pferd das eine anstrengende Karriere als Rennpferd hinter sich hatte. Nachdem sie ein Fohlen hatte und einfach Pferd sein durfte war ich die erste Person, die sich nach den Pferderennen auf ihren Rücken schwang. Ein bisschen naiv und abenteuerlustig machte ich mich auf ins Gelände, wo sie mir den bisher schnellsten und atemberaubendsten Galopp meines Lebens schenkte. Blue hätte ich damals am liebsten in meinen Koffer gepackt und bei jedem Besuch auf der Farm zieht es mich immer zuerst zu ihr.

Ausritt durch die blühenden Jacaranda Bäume in Johannesburg.

Nach meiner Zeit in Howick reiste ich mit einem Freund von dort über Durban, die Wild Coast, Port Elizabeth und weiter entlang der Küste über die Garden Route bis nach Kapstadt, wo sich mittlerweile die Pferde der Privatperson befanden, die zu meiner Johannesburg Zeit gerade umgezogen war. Ich konnte also auch in Kapstadt weiter reiten und kam in den Genuss von Strand-Ritten am Nordhoek Beach. Nachdem ich Weihnachten und Silvester dort verbracht hatte, stieg ich dankbar und mit vielen Erinnerungen in den Flieger nach Johannesburg, wo ich mich wieder den Lipizzanern anschloss.

Abschließend kann ich nur sagen, dass die Zeit mit Pferden dort eine lehrreiche und unglaublich wertvolle Erfahrung für mich war. Mein Herz schlägt für Südafrika und ich bin seitdem wirklich hoffnungslos verliebt. Die Tiere und Menschen dort sind für mich Familie geworden und wahrscheinlich wird mich dieses wunderschöne Land mein Leben lang begleiten.

 

An Artikeln wie DIESEN seht ihr, dass ich meinem Fernweh immer wieder nachkommen muss. Im Januar 2015 habe ich einen ganzen Monat mit Pferden dort arbeiten dürfen und auch für 2016 halte ich bereits mein heißgeliebtes Flugticket in den Händen! ♥

Meine Lieblingsstute „Out of the blue“.

Lipizzanerhengst Neapolitano Romida und ich – kurz vor unserem wöchentlichen Ausritt in Kyalami/Johannesburg.

Freiheit genießen an der Wild Coast/Südafrika.

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