Zu Besuch bei Conny Niedenthal auf Mallorca.

Bei meiner letzten Reise auf die schöne Insel Mallorca durfte ich zu meiner Freude die Dressurreiterin Conny Niedenthal auf ihrer Finca besuchen.

© Conny Niedenthal

Spanische Pferde sind Connys große Leidenschaft. Nachdem sie in Andalusien einen Ausbildungsstall mit dem Schwerpunkt der klassischen Dressur aufgebaut und über viele Jahre geleitet hat, zog es sie auf die schöne Insel Mallorca.

Als sie mir ihre Hengste vorstellt blitzt es in ihren Augen. Zu jedem der Pferde erzählt sie mir eine Geschichte des gemeinsamen Werdegangs. Ein Stück Lebensweg mit besonderen Pferden zu teilen, das schweißt zusammen. Deshalb fällt es Conny auch schwer einen ausgebildeten Hengst zu verkaufen oder weiterzuvermitteln. Meist bleiben die Pferde deshalb auch bei ihr und unterstützen sie als Lehrpferde für die dressurbegeisterten Gäste auf der Finca.

Einen Einblick in ihre Arbeit konnte ich mir beim Training mit ihrem PRE Hengst Jaranero verschaffen. Besonders die Seitengänge nutzt Conny ganz intensiv, um ihre Pferde geradezurichten und an der Durchlässigkeit zu arbeiten. Als ich mich selbst in den Sattel schwingen darf, packt mich schnell die Begeisterung. „Achsoo!“ rutscht es mir mit einem breiten Grinsen heraus, als ich nach einigen etwas verkrampften Versuchen endlich durch kaum sichtbares Drehen des Bauchnabels in einen flüssigen Seitengang komme. Es sind oft solche kleinen Feinheiten, die am Ende das große Gesamtbild verändern können. Solange sich eine Lektion nicht leicht anfühlt, ist sie auch nicht gut geritten – das ist ein wichtiger Grundsatz für die Dressur. Oft rackert man sich da oben ganz schön ab und erreicht dann das Gegenteil von dem was man eigentlich im Kopf hat. Ich nehme mir für mich mit: Solange ich verkrampft bin, kann ich nicht erwarten, dass sich das Pferd losgelassen und unverkrampft unter mir bewegt.

Verkrampfen, abmühen, Druck erhöhen – das alles ist Gift für feines Reiten. „Eins werden“ bedeutet sich aufeinander einlassen, hingeben, fühlen und verstehen.

Nachdem der Hengst abgesattelt und versorgt war ergriff ich meine Chance und konnte in einem sehr offenen, spannenden Gespräch mit Conny über mehrere Dinge reden, die mich auch anschließend noch länger beschäftigt haben:

Beständigkeit.
Viele Pferdemenschen geben auf, bevor sie richtig begonnen haben. Sie suchen Gründe ihres Scheiterns im Equipment, im Trainer, im Umfeld. Es steht außer Frage, dass genau solche unter Umständen schlechten Bedingungen Gründe für Nichterfolg sein können – das hat sicher jeder schon erlebt. Und ich selbst tue mich ebenfalls gerne besonders schwer damit mich festzulegen und dran zu bleiben. Einige von Connys Hengsten haben deutliche Baustellen mitgebracht, die Conny über die Jahre durch gutes Gymnastizieren minimieren oder sogar auslöschen konnte. Ein Pferd muss anfangs keine Unsummen wert sein, um zum Dressurkünstler ausgebildet zu werden. Ein Pferd gewinnt dann an Wert, wenn wir über lange Zeit mit ihm zusammenarbeiten und den Wert des Pferdes selbst steigern. Dann wird aus einem zunächst weniger teuren Pferd ein unbezahlbarer Partner an unserer Seite.

Ungeduld und Schnelllebigkeit sind große Probleme der heutigen Reiterei. Kurzfristig werden Reitweisen verändert, ein neuer Zaum muss her. Der Trainer wird gewechselt, noch bevor es tatsächlich möglich war eine kleinere oder größere Veränderung zu bemerken. Wir warten alle auf den Durchbruch, das große Wunder, und sind oft noch nicht bereit auch tatsächlich selbst mehr Leidenschaft und Liebe, Zeit, Geduld und Muße einfließen zu lassen. Wir wollen ankommen noch bevor wir richtig losgegangen sind. Wir möchten den Zieleinlauf erleben bis wir endlich merken, dass es gar kein Ziel gibt.

Eine Leidenschaft zu leben bedeutet auf dem Weg zu sein. Ich bin begeistert von Menschen, die ihre Berufung finden. Die nicht mehr arbeiten müssen, weil sie lieben was sie tun. Die einen Antrieb gefunden haben, der sie morgens aus dem Bett springen lässt, um die Welt ein kleines Stück zu verändern. Wir Reiter kommen nicht drumherum uns eine eigene Philosophie zu bilden, eine eigene Idee von gutem Reiten zu entwickeln und mit Beständigkeit und auch ein bisschen Disziplin an unserem Traum dran zu bleiben. Die ständige Überprüfung unserer Philosophie wird irgendwann selbstverständlich, weil wir unseren Pferden gerecht werden wollen.



Zeit ist Geld?
Zeit ist Geld. Dabei übersehen wir, dass wir viel Geld in den Wind schießen, weil wir uns zeitlich unter Druck setzen.

Dran bleiben, auch wenn es Tage gibt an denen nichts zusammen passt, das ist gar nicht einfach. Die Flut von Ratschlägen selbsternannter Experten ist ein Nährboden für Sprunghaftigkeit und Wechsel zwischen Trainingsmethoden.

Als ich in diesem Jahr über die Equitana geschlendert bin war es für meine Augen vollkommen egal welchen Sattel und welche Zäumung ein Pferd trug. Es gab gutes Reiten und es gab schlechtes Reiten. Es gab Harmonie und es gab hässliche Konflikte. Ein guter Reiter ist nicht der, der sich die teuersten Trainer und den neuesten Sattel leisten kann. Ein guter Reiter ist ein Mensch, der für seine Leidenschaft brennt. Einer der sich selbst verbessern möchte, statt die „Hülle“ aufzupeppen, die für alle offensichtlich ist.

Ich glaube wir sollten überlegter mit unseren Pferden umgehen. Wir sollten uns weiterbilden und auch mal verändern um uns verbessern zu können. Wir sollten unseren Horizont erweitern und auch mit Leuten austauschen die anders sind als wir und uns nicht ständig in dem bestätigen was wir eh schon tun.

Manchmal entscheiden wir uns aber auch für Veränderungen, weil wir uns vor unserem eigenen Tun fürchten. Aus Angst uns am Ende einzugestehen, dass gutes Reiten meist einfach nur an gutem Reiten liegt. Und nicht am letzten Schrei im Hilfsmittel-Karussell. Reiten lernt man am Ende eben doch durch Reiten.

Ein bisschen ist das wohl auch ein Grund, wieso ich so gerne frei mit den Pferden arbeite. Da zeigt sich schnell, an welchen Stellen wir noch Nachholbedarf haben und wo es an guter Kommunikation hapert. Da hilft mir kein Extrazügel, da liegt die Wahrheit ganz pur und ungeschminkt vor mir.

Liebe Conny, vielen Dank für den spannenden Austausch, deine Denkanstöße und dass du mir deine Zeit geschenkt hast. Besonders unser Gespräch hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe auf ein Wiedersehen.

Wenn ihr euch für Reiturlaub auf Mallorca interessiert, schaut doch mal HIER auf Connys Homepage vorbei. Auch in Deutschland und in der Schweiz gibt Conny Niedenthal regelmäßig Kurse in der klassischen Dressur.

Auch an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an Kirsten Fleiser für den Kontakt und die Idee bei Conny anzufragen. Nachdem ich auf Mallorca war ist auch Kiki auf der Insel gewesen um Seminare zur blau-gelben Equikinetic und Dualaktivierung zu geben. HIER findet ihr ihren Bericht zur Dualaktivierung bei Conny und ihrer Schülerin. Auf Kikis Facebook-Seite findet ihr auch andere Berichte zu Kursen auf der Insel und in Deutschland. Auch ich durfte bereits ein Seminar bei Kiki miterleben, den Bericht findet ihr schon bald auf meinem Blog.

Einen weiteren Artikel zur Notwendigkeit der Dressur unserer Reitpferde findet ihr HIER bei Alessa Neuner. Sie war bei der klassischen Dressurreiterin Anja Beran zu Besuch und durfte dort ebenfalls der Trainerin über die Schulter schauen.

Ein kleines PS: Normalerweise reite ich mit Helm. Der wird nächstes Mal auch gewiss nicht zuhause vergessen, wenn es mich wieder zu besonderen Pferden und ihren Menschen in die Ferne zieht.

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