Umzug in den Offenstall: Das erste halbe Jahr.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr bin ich mit Faible endlich in einen Offenstall/Aktivstall umgezogen. Die Geschichte unserer Wanderung habe ich ja bereits erzählt. Nun ist es für mich an der Zeit unser erstes halbes Jahr Revue passieren zu lassen und ich möchte das auch mit Bildern tun.

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Szenen wie diese bestärken mich sehr in meiner Entscheidung für einen Aktivstall. Faible geht Richtung Wasser und ein paar Pferde schließen sich gerne an. Die zwei Stuten stehen derweil weiter in Ruhe am Heu. Diese Art der Entscheidungsfreiheit im Alltag macht aus meiner Stute ein ausgeglichenes und zufriedenes Pferd.

Faible ist nach der unkomplizierten, behutsamen Eingliederung recht schnell Leitstute der Herde. Sie blüht förmlich auf, als sie realisiert, dass sie endlich eine so große Verantwortung in einer Herde übernehmen darf. Auch in ihrer alten Herde hat sie gerne den Ton angegeben, doch die Unterschiede zum neuen Stall sind beachtlich. Tag und Nacht steht die Herde zusammen. Sie trennt sich tagsüber mehrmals in kleinere Gruppen auf, sodass die Tiere sich nicht sehen können, weil der untere Stallbereich wie ein U aufgebaut ist. So werden die Wege künstlich verlängert und die Pferde müssen einmal komplett um den Stall herum laufen, um an die anderen Heuraufen, das Wasser oder die verschiedenen Stallgebäude zu kommen.

 

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Hektisch wird es nicht in der Herde, wenn sich einzelne Tiere mal eine Auszeit voneinander nehmen und sich nicht sehen können. Im Sommer kam es oft vor, dass die Herde auf der Wiese war, wenn ich Faible zurück zum Stall gebracht habe. Dann ist sie seelenruhig den Trail hoch geschlendert, und hat dabei sogar mehrmals zum Grasrupfen angehalten oder minutenlang Spuren gelesen. Oft beobachte ich, wie sich auch einzelne Tiere von der Herde abkoppeln und sich Zeit, Raum und Ruhe für sich selbst nehmen. Die Möglichkeit des Rückzugs und „aus dem Sichtfeld des anderen gehen“, ohne dass das Pferd damit in seinen Grundbedürfnissen (Unterstand, Futter, Wasser) eingeschränkt ist, war mir besonders wichtig. Und das obwohl Faible eigentlich eh die meiste Zeit mit ihren Lieblingspferden zusammensteht.

Faible genießt ihren Job als eine Entscheiderin in der Herde. Ich beobachte, wie sie ihre Aufgabe verantwortungsbewusst wahrnimmt. Es gibt wenig Streit und sie geht von Anfang an mit einer inneren Selbstverständlichkeit an die Heuraufe, so dass die anderen Pferde ihr mit wenig Aufwand Platz machen. Zurechtweisungen gibt es selten und ich beobachte, dass Faible in ihrem „Leiten“ nicht unfair wird oder unnötig immer wieder um ihren Stand kämpfen muss. Meist steht die Herde minutenlang eng gemeinsam am Heu, ohne dass es zu Diskussionen kommt. Für mich ist Faible ein Vorbild für Führungskräfte, die ihre Position nicht ausnutzen und einzelne Verantwortungsbereiche auch gerne an ihr Team abgeben. Der „Chef“ in der Herde hat sich unsterblich in Faible verliebt und verkündet seine Freude über ihre Anwesenheit jedes Mal leise blubbernd und brummelnd, wenn sie wieder in sein Sichtfeld kommt.

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Auf dem Bild ist der untere Teil des Trails zu sehen. Der Herdenchef (rechts im Bild) nimmt sich eine „Auszeit“ von seinen Pferden und genießt in Ruhe die Sonne und den Ausblick über sein Zuhause.

Das Verhalten der Herde wird vom Licht der Sonne und natürlich dem Wetter bestimmt. An unfassbar heißen Tagen im Sommer zieht es die Tiere schon in den frühen Morgenstunden auf die Wiese. Spätestens gegen halb zehn zieht sich die Herde in die kühlen Steinhäuser zurück, um in Ruhe zu dösen und sich gegenseitig in der Hitze die Fliegen aus dem Gesicht zu wedeln. Manchmal bleiben hartnäckige Grasliebhaber noch ein Stündchen länger auf der Weide, um dann zu zweit oder dritt langsam über den Trail der Herde in den Stall zu folgen. Bei starkem Regen stellen sich die empfindlicheren Tiere auch unter und warten ab, bis das Wetter wieder ein bisschen besser wird.

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Die Herde auf dem Trail im Sommer.

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Traumhaft unbekümmerter Ausritt im Sommer. Für mich auf diesem Pferd ein kleines Wunder.

Was hat sich verändert?

Faibles Verhalten in der Zusammenarbeit mit mir ändert sich durch den Stallwechsel ebenfalls drastisch. Sie ist von Beginn an deutlich ausgeglichener, ich erkenne sie schon nach wenigen Wochen kaum wieder. Hat sie mich noch im Frühling auf einem Ausritt zwei Mal wütend und unausgelastet abgebuckelt, so hat sie nun in ihrem neuen Zuhause ein gesünderes Maß an Energie für mich übrig. Freunde, die uns schon im alten Stall kannten, erkennen sie ebenfalls nicht wieder. Am neuen Stall glaubt man mir kaum, dass ich mit Faible ursprünglich ein extrem „explosives“ und mitunter für mich und sich selbst auch nicht ungefährliches Pferd an meiner Seite hatte. Heute sehe ich ihre Hauruck-Aktionen und Wutausbrüche mit anderen Augen. Faible ist ein so freiheitsliebendes, starkes Pferd. Ein solches Pferd in einer Box zu halten, in der es im Winter bis zu 17 Stunden ausharren musste, bis es für wenige Stunden dann auf einen kleinen überfüllten Paddock mit wenig bis keinem Raufutter die Zeit totschlagen musste – was ist das für ein Pferdeleben?

Als Faible noch nicht mir gehörte, stand sie alle zwei Tage bis zu 40 (!) Stunden in einer Box. Kein echtes Tageslicht, keinen direkten Kontakt zu Artgenossen, keine Möglichkeit auch nur wenige Meter am Stück vorwärts zu gehen. Die Nase nicht in den Wind halten können, den Regen nicht auf dem Fell spüren können. Wenn ich an die Zeit zurückdenke werde ich wütend und traurig, weil ich weiß, wie viele Pferde genau so jeden Tag ihres Lebens verbringen müssen. Da tröstet es kaum, dass im Sommer für wenige Monate Weidesaison ist. Und es erklärt deutlich, wieso so viele Pferde zu „Problempferden“ erklärt werden und verschiedenste Trainer solche Pferde zu Gehorsam trotz widriger Umstände erziehen müssen, um ihnen eine Daseinsberechtigung neben uns zu ermöglichen.

In diesem Sommer hat Faible mir so viele sorgenfreie und unbekümmerte Ausritte geschenkt. Für mich im Hinblick auf unsere Vergangenheit ein kleines Wunder, wenn ich ehrlich bin.

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Dieses Foto entstand bei der Eröffnung des Trails bis hin zum kleinen Wäldchen. Hier inspiziert die Herde zum ersten Mal die neue Laufstrecke.

Unsere Kommunikation, unsere Zusammenarbeit, unser „Zusammensein“ hat sich verändert. Faible hat nun endlich einen Alltag, der ihrem Wesen als Pferd gerechter wird. Dauerhaft Bewegung, ständige Interaktion in einer Herde, Denksport bei Problemlösungen und Entscheidungsfindungen (auch „banale“ Dinge wie die Wanderung zum Wasser oder Heu, die Entscheidung sich bei Regen unterzustellen oder um Mitternacht eine Versammlung an der oberen Heuraufe einzuberufen). Wir haben unsere Tiere so vermenschlicht, dass wir sie in unsere Zeiteinteilung quetschen und ernsthaft glauben, dass sich unsere Pferde so wie wir selbst am liebsten um 17 Uhr auf das Sofa hauen und anschließend wenige Meter ins Bett machen, um dann bis zum nächsten Morgen stundenlang zu ruhen und zu schlafen. Morgens Frühstück, mittags ein Snack, abends ein reiches Abendessen. Zwischendurch eine intensive, schwitzende Sporteinheit. Artgerecht? Nicht mal für uns Menschen, die wir Diäten machen und uns in Fitnessstudios auf Laufbändern quälen, anstatt gesunde Bewegung dauerhaft in unseren Alltag zu integrieren.

In der Freiarbeit habe ich in den vergangenen Monaten viel experimentiert und ausprobiert. Zwischen positiver Spannung auf ungeahnt hohem Niveau lernen Faible und ich derzeit auch die ruhige und achtsame Kommunikation. Übungen wie das freie Ablegen neben mir in der Halle und meine Entscheidung ihr das Weggehen von mir zu erlauben, wenn ihr meine Energie zu hoch ist, haben unsere Motivation füreinander zu wirken nur bestärkt. Ich lege den Fokus in unserer Arbeit noch intensiver auf die positive Verstärkung, und ihr Feedback zu dieser Art des Trainings ist eindeutig. Sie hat endlich Platz für mich in ihrem Kopf, weil ich nicht mehr komme um ihre Grundbedürfnisse (Futter, Bewegung) zu stillen. Umso größer ist meine Freunde darüber, dass sie seit über zwei Monaten nun täglich vom Heu zu mir in den Stall kommt, wenn ich sie rufe. Ihre Mitarbeit fühlt sich irgendwie ehrlicher an.

Sie braucht mich nicht, und das ist ausnahmsweise ein tolles Gefühl.

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Faible in der freien Versammlung. Solche Bilder wären unter den alten Umständen sicher noch in weiter Ferne gewesen.

Was hat sich für mich verändert?

Klingt komisch, aber dieser Satz beschreibt es gut: Ich schlafe besser!

Hat Faible genug Heu in die Box gelegt bekommen? Braucht sie heute eine Decke, wenn sie aus dem warmen Stall an die kalte Luft kommt? Wird sie es ohne Decke im Dauerregen aushalten, so ganz ohne Windschutz oder Unterstand? Wie lang war wohl jetzt die Fresspause, wenn ich gleich eigentlich reiten will? Reicht die kurze Einheit aus, oder muss ich sie viel mehr auspowern?

 

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Effektive Arbeit mit Faible war rückblickend unter den alten Umständen selten möglich. Ständig war ich damit beschäftigt ihre Grundbedürfnisse zu decken, bevor sie sich überhaupt auf mich konzentrieren konnte. Ständig hatten wir Streit, weil wir beide nicht zufrieden mit unserer Situation und dem Verhalten des anderen waren. Respektvoll miteinander umzugehen ist schwierig, wenn beide mit sich selbst unglücklich sind. Und weil die Pferde genervt waren, lag es auf der Hand, dass auch die Gespräche mit anderen Stallkolleginnen oft eher besorgter Natur waren, statt inspirierend. Faible wurde liebevoll versorgt im alten Stall, aber ausgelastet und „erfüllt“ war sie dort nicht.

Ich bin erleichtert, dass ich es an manchen Tagen nicht zum Stall schaffen muss. Faible kann sich nehmen, was sie braucht. Sie vermisst mich nicht. Und je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto sicherer bin ich, dass viele Menschen unterbewusst auf diese Abhängigkeit nicht verzichten wollen. „Mein Pferd braucht mich“ stillt in uns ein Bedürfnis, das einer ausgeglichenen Freundschaft in Balance oft im Weg steht und zu einer ungesunden Beziehung führen kann.

Heute zeigt sich Faible von ihrer sanften, neugierigen, fröhlichen Seite. Sie begrüßt jeden Menschen, jeden Hund und jede Katze direkt ausgiebig mit ihrer weichen Nase. Ihr Gesichtsausdruck hat sich ebenfalls sehr verändert. Darauf hat mich eine neue Stallfreundin aufmerksam gemacht, als sie sich alte Fotos von ihr angesehen hat. Weiser sieht sie aus, und irgendwie älter. Vielleicht auch (vermenschlicht ausgedrückt) ein Stück vernünftiger und bedachter. Manchmal steht sie etwas abseits der Herde oder oben auf dem Trail und schaut einfach nur ins Tal hinunter. Dann kann ich sie auf 1000m seufzen hören.

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In der Herde die neue Umgebung erkunden, lernen, Entscheidungen fällen – das entspricht den Grundbedürfnissen unserer Pferde.

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Fazit.

Ich würde jedem Pferdebesitzer zu einem bewegungsanreizenden, 24 stündigen Heu ad libitum bietenden Pferdestall raten. Die Veränderungen an den Pferden sind so offensichtlich, dass mir der Alltag für Boxenpferde wie ein lebenslanger Gefängnisaufenthalt ohne Schuldspruch vorkommt.

Dennoch weiß ich, dass solche Ställe in den meisten Städten nicht zu finden sind. Schreibt doch mal jemand einen Offenstallplatz aus, dann erwarten einen meist kleine Paddocks ohne eine einzige trockene Stelle, einen einzelnen für die Anzahl der Pferde viel zu kleinen Unterstand, keine Rückzugsmöglichkeit für rangniedrige Pferde, zu wenig Raufutter, keinen Reitplatz geschweige denn eine Halle und eine schlechte Infrastruktur. Gut organisierte Offenställe sind Mangelware und oft auch in privater Hand, so dass der „Ottonormalpferdebesitzer“ gar nicht davon erfährt, geschweige denn einen Platz in einem solchen Stall ergattert. Oft ist dann ein liebevoll und verantwortungsbewusst geführter Stall mit Boxen für die Nacht angenehmer für alle Beteiligten.

Ich schreibe diesen Bericht also nicht, um mit dem Finger auf die zu zeigen, die ihren Pferden so ein Leben nicht ermöglichen können. Mir ging es ja genauso. In erster Linie schreibe ich, um ein wenig mehr Verständnis für missverstandene Pferde zu schaffen. Sie haben gute Gründe, wieso sie sich nicht mit euren Anliegen beschäftigen können. Es gibt einen Grund, wieso wir uns meist die Fotos an die Wand hängen, auf denen unsere Tiere frei über die Wiesen rennen. Wo sie eine Ausstrahlung haben, die uns berührt und erfüllt.
Pferde wollen frei sein, sie möchten Entscheidungen treffen und in einer Herde Verantwortung übernehmen. Sie wollen sich bewegen, dauerhaft Futter knabbern und Beziehungen untereinander pflegen. All das können wir ihnen nicht bieten, wenn wir sie von uns emotional wie körperlich abhängig machen und den Zugang zu ihren Grundbedürfnissen so stark einschränken. Wir können keine Herde ersetzen, vor allem nicht für gerade mal 1-3 Stunden am Tag.

Aber wir können uns dafür einsetzen, dass ein Umdenken in der Reiterwelt vorangetrieben wird und wir zusammen in kleinen Schritten an einer Haltungsform arbeiten, die den Pferden und automatisch auch uns Menschen gut tut und unsere Beziehung zu Pferden auf eine andere Ebene stellt. Wir können unsere Pferdefreunde darauf aufmerksam machen, dass die meisten Probleme nicht auf Sturheit oder Respektlosigkeit zurückzuführen sind. Seitdem Faible im Aktivstall steht, weiß ich erst, dass sie eigentlich gerne mit mir arbeiten und neue Herausforderungen meistern will. Sie möchte mit mir als außenstehender Person interagieren und sich weiterentwickeln. Pferde verbringen gerne Zeit mit uns, wenn wir ihnen ein abwechslungsreiches Training und Verständnis für ihre Lernprozesse entgegenbringen.

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Für Faible und mich war der Wechsel in einen Aktivstall die beste Entscheidung. Wir sind dabei endlich eine Basis zu finden, die aus einer inneren Grundzufriedenheit besteht und in der Platz und mehr Verständnis für die Meinung und Wünsche des anderen bleibt. Ich bin sehr gespannt, wie wir uns jetzt weiterentwickeln dürfen. Ein wichtiger Grundstein ist gelegt. Darauf möchte ich aufbauen.

 

Lesetipp: Saskia von Pferdespiegel erklärt dir, wieso kein Pferd dauerhaft in einer Box gehalten werden darf.

Claudia von Lenina01 hat sich gefragt, was euer Pferd wohl bei seiner Stallsuche beachten würde?

15 Antworten zu “Umzug in den Offenstall: Das erste halbe Jahr.

  • Hallo Miri,

    Was für ein schöner Bericht mit passenden Bildern! Ich werde oft von Freunden oder Arbeitskollegen, die nicht mit Pferden zu tun haben, mit großen Augen gefragt: „Aber was macht denn Dein Pferd dann, wenn Du nicht da bist?“ Ich glaube, die haben auch noch Boxenpferden im Kopf. Meine Antwort ist ja ganz einfach: „Es lebt sein Pferdeleben. Es braucht mich nicht.“ 🙂

    Viele Deiner Beobachtungen habe ich dieses Jahr auch gemacht, seitdem Wingardios Herde einen Trail zwischen Weiden und Paddock bekommen haben und jetzt 24 Stunden draußen leben. Früher ging es ab Dezember nachts in die Box. Ich habe oft wegen Schuldgefühlen sehr schlecht geschlafen. Es ist immer noch nicht alles so wie ich es gerne hätte, aber die ganze Umstrukturierung ist auch für den Stallbetreiber ein großer Lernprozess.
    Wingardio ist auf jeden Fall viel ausgeglichener und auch eine ganz offentliche Verändungern ist damit einher gegangen: Er ist ein Plüschtier geworden <3 Im letzten Jahr hatte er nicht so dichtes Winterfell.

    Weiterhin viel Freude in Eurem kleinen Paradies! Liebe Grüße, Saskia

    • Liebe Saskia, gerade den Punkt mit dem Lernprozess kann ich bestätigen. Wir wussten es doch selbst jahrelang auch nicht besser. Ich finde man sollte auch die kleineren Überlegungen Richtung artgerechte Haltung würdigen und (im Sinne der positiven Verstärkung) auch kreativ werden. Wer weiß wie Pferdehaltung in 20 Jahren aussieht? Wir tragen die Aufgabe alle gemeinsam ein Stückchen weiter. Jeder wie er kann. 🙂 Liebe Grüße
      Miri

  • Liebe Miri!

    Du sprichst da soo einen wichtigen Punkt an!! Mein erstes Pferd Woody hab ich als Reitschülerin kennen gelernt. Er galt als unverträglich, stand immer allein und meistens in der Box. Na ja und er war genau das, was viele als Problempferd bezeichnen würden. Ich kannte ich damals überhaupt nicht aus. Aber er kam mir so traurig vor. Dann bekam ich ihn geschenkt, von meinemReitlehrer, der nichts mehr mit ihm anfangen konnte. Ich änderte seine Haltung, schenkte ihm möglichst viel Freiheit und Pferde, die er liebte, und er wurde der zuverlässigste, treuste Freund, den ich mir nur wünschen konnte. Meiner Ansicht nach versuchen „Problempferde“ nur immer wieder zu erklären, dass sie mit einer „Problemhaltung“ oder „Problembesitzern“ konfrontiert sind!
    Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag! 😀
    Liebe Grüße, natürlich auch an Faible!
    Bettina

    • Liebe Bettina,
      genau so sehe ich das auch! So wie Kinder nicht „grundsätzlich“ problematisch sind, so werden Pferde auch in schlechtem Umfeld und mit wenig Verständnis für Ihre Bedürfnisse irgendwann verrückt! Wirklich erwachsen werden dürfen eh die wenigsten – Faible wurde soweit ich weiß damals ebenfalls wie jedes andere Pferd mit drei Jahren eingeritten. Nu ja keine Zeit verlieren, jeder Monat will genutzt werden! Die Grüße richte ich aus! 😄

  • Ja, das frühe arbeiten bleibt leider kaum einem Pferd erspart. Ich hab mich schon oft gefragt warum eigentlich? Zeit ist Geld, das ist sicher eine Motivation. Die andere finde ich in gewissen Aussagen, die auch immer wieder im weiteren Pferdeleben von den Besitzern diskutiert werden. „Wir dürfen unsere Pferde nicht gewinnen lassen!“ (Ich persönlich glaub ja gar nicht, dass Pferde je so denken würden, aber gut….) Ich vermute Pferde (oder Hunde) bzw. der Umgang mit ihnen, macht vielen ihrer Besitzer in manchen Momenten bewusst oder unbewusst Angst. Aus diesem Unbehagen heraus nimmt man dann Ideen, wie die das Pferd unterwerfen zu müssen, an. Und es ist natürlich viel einfacher, ein Babypferd auf seinen Platz zu verweisen, als ein charakterstarkes, gereiftes Individuum. Schade, dabei verpassen dann beide Seiten soo viel! Warum ich glaube, dass die Motivation hinter diesem Umgang Angst ist? Na ja ich kenn die Dominanztheorie hauptsächlich von Pferden oder Hunden. Über sein Kaninchen, sein Huhn oder seinen Zwerghamster hab ich noch nie jemanden sagen gehört, dass er diese Tiere nicht gewinnen lassen darf, weil sie sonst meinen in der Rangordnung über ihrem Halter zu stehen! 😉

    • Hallo Bettina,

      das stimmt… diese Unterwerfungstheorie gefällt mir auch nicht. Da kommt mir ständig der Wunsch nach Freundschaft mit dem Tier in die Quere. Je besser Faible und ich uns nun kennen, desto leichter fällt es uns die Aufgaben auch mal zu teilen. Bei manchen Dominanztechniken frage ich mich dann wie die Menschen mit ihren Kindern umgehen, für die sie die Verantwortung tragen. Führung durch Sicherheit ist nicht gleichzusetzen mit einer Kontrolle, die den Rückzug bei einem „Überspannen“ des persönlichen Bogens ausschließt. Ich glaube die Antwort auf die Frage „Wieso beim Pferd, wenn nicht bei der Katze, …“ ist einfach zu beantworten: Weil es funktioniert. Für mich persönlich wäre ein solches Funktionieren aber nicht mehr das, was ich ursprünglich bei Pferden gesucht habe.
      LG Miri 🙂

  • Aloha!

    Das ist ein wirklich ganz toller Artikel, der dem einen oder anderen Pferdebesitzer die Augen öffnen sollte. Selbstverständlich ist eine Offenstallhaltung nicht für jeden praktikabel, trotzdem sollten die Pferde nach Möglichkeit jede freie Minute an der frischen Luft, am Besten auf der Weide, verbringen.

    Ich hatte diverse Pflegepferde, sowohl in einem klassischen Stall, auf einem Bauernhof als auch in einem Selbstversorger-/ Offenstall. Ich kann jedem etwas Gutes und Schlechtes abgewinnen. Glaube aber, dass die Pferde im Vordergrund stehen und ihnen eine möglichst artgerechte Haltung mit viel natürlicher Bewebung mit Artgenossen ermöglicht werden muss. Dann spielt die nächtliche Unterbringung keine Rolle mehr.

    Liebe Grüße,
    Angelice

  • Liebe Miri,
    hier hat sich ja wahnsinnig was getan!!! Ich folge dir ja nun schon seit Juni 2014 und ich gönne dir diesen Erfolg so sehr! Nicht nur mit Faible sondern auch mit deinem Blog!
    Dieser Text klingt soo wunderschön 🙂 ist dieser Stall in Wuppertal? Ich kann das ja gar nicht glauben, dass es bei uns in der Nähe so ein Pferdeparadies gibt!!
    Richtig toll!

    Ich würde dich so gerne einmal bei der Arbeit mit Faible sehen. Vielleicht kannst du dich ja mal Filmen lassen und uns ein paar Ausschnitte zeigen. Sowohl auf und neben dem Pferd, fände ich wahnsinnig interessant!

    Ganz liebe Grüße
    Lisa

    • Liebe Lisa,
      tatsächlich hab ich dieses kleine Paradies in Wuppertal entdeckt! Schau mal hier: http://www.hengsten-stables.de 🙂
      Sehr gerne kannst du mich mal besuchen, ist ja für dich sicher keine lange Anfahrt! Schreib mir doch mal in einer Email wann es dir passt, dann machen wir einen Termin aus!
      LG Miri
      PS: Stimmt, hier hat sich einiges getan – hätte ich vor 2 Jahren auch niemals gedacht, wie es sich so entwickelt! 🙂

  • Hallo Miri, das ist ein toller Bericht und bestätigt auch meine Beobachtungen. Leider kann ich mein Pferd derzeit nicht in einem Offenstall halten, weil wir zum einen das von dir angesprochene Problem haben, dass es nicht viele gute Offenställe in der Umgebung gibt, zum anderen ist mein Pferd auf einem Auge blind, weshalb viele Offenställe ungeeignet sind, weil mein Pferd nur frisst, wenn sie sich absolut sicher fühlt. Fressständer gehen gar nicht. Dabei würde sie sehr gerne in so einem Stall leben. Es ist noch nicht mal die ständige Bewegung sondern einfach nur „die Möglichkeit“ haben sich zu bewegen, die von dir beschriebenen „freie“ Entscheidungen. Das verstehen viele nicht, weil sie noch nicht mal ansatzweise in die Richtung denken.
    Ich habe mich mal mit einer Pferdebesitzerin unterhalten, die hat ihre Turnierstute in Rente geschickt und wurde von einem klassischen Turnierstall mit Boxenhaltung in einen Offenstall umgezogen. Sie erzählte mir total begeistert, dass sie ja jetzt so gesund wäre wie noch nie. Aber in der Unterhaltung habe ich gemerkt, dass sie ihr neues Pferd nicht gleich in einen Offenstall stellen würde sondern wieder in eine Box. Selbst bei so einer dramatischen Wirkung am eigenen Pferd hat das Umdenken nicht stattgefunden. Finde ich ganz furchtbar.
    Und ein Aspekt hast du schön in Worte gefasst, was ich vorher nur empfunden habe aber nicht richtig deuten konnte. Mich stört momentan auch immer mehr, dass ich in den Stall gehe und immer nur für andere was mache. Ich versuche soviel wie möglich die Mängel an der Haltung bei meinem Pferd auszugleichen, um ihr was Gutes zu tun. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass sie das verdient hat und ich möchte es auch nicht reduzieren aber mein Spaß bleibt vollkommen auf der Strecke. Es ist fast nur noch Pflichterfüllung, da ich oft auch auf was spaßiges verzichte, weil ich nur in der Denke bin: Was möchte mein Pferd jetzt machen.
    Und ich würde auch sagen, dass es viele Pferdebesitzerinnen gibt, die genau das so toll finden, dieses Gefühl, dass sie wichtig für das Pferd sind, das Pferd sie brauch. Ich möchte das nicht.
    Aber ich beobachte auch, dass die Entwicklung immer mehr in die Richtung Offenstall geht. Wer weiß, vielleicht ist in 30 Jahren die Boxenhaltung genauso abgeschafft, wie mittlerweile die Ständerhaltung. Unsere Großeltern konnten sich das wahrscheinlich gar nicht vorstellen, Pferde und Kühe nicht in Ständer zu stellen. Und dann hoffe ich, gibt es auch Lösungen für Pferde, die aus welchem Grund auch immer gehandicapt sind und somit bedingt „durchschnittsoffenstallfähig“ sind.
    Dir vielen Dank für diesen tollen Artikel!

    • Liebe Regina,

      wir haben auch keine Ständer für die Futterrationen, sondern mehrere große Heuraufen, an denen sich die Pferde immer zum fressen herumstellen können. Meist stehen sie auch fast komplett als ganze Herde um einen Ballen herum, manchmal trennen sie sich auch und haben lieber ein bisschen mehr Ruhe. Das Konzept habe ich so allerdings auch in meiner Stadt nur ein einziges Mal gefunden! Wie du schon schreibst: Vielleicht sieht die Zukunft ganz anders aus. Und damit diese Hoffnung aufgeht, schreibe ich Artikel wie diesen! 🙂
      Deinen Zwiespalt mit Spaß vs. Bedürfnisse decken habe ich die letzten Jahre auch fast täglich gehabt, man opfert alles für sein Pferd, obwohl es dem Pferd dadurch trotzdem an so vielem fehlt. Sozialkontakt und gemeinsam Ziele erreichen ist nämlich nicht nur für uns, sondern auch für unsere Pferde sehr wichtig, wenn wir schon so viel Zeit mit ihnen verbringen wollen. Da sind solche „Zweckbeziehungen“ für mich nur kurzfristig zu ertragen. Und zu deinem Beispiel mit der Bekannten: Pferde sind heutzutage nach wie vor (oder mehr denn je?) Nutztiere. Sie haben längst nicht den gleichen Stellenwert wie ein Hund oder eine Katze. Pferde brauchen eine Daseinsberechtigung die über das „süß finden“ hinaus geht, zumindest bei den meisten Pferdemenschen. Deshalb sind Tierärzte, Reitlehrer, Chiropraktiker, Physiotherapeuten usw. eigentlich nur damit beschäftigt die Pferde auch wieder nutzbar zu machen, unabhängig davon ob für die Pferde tatsächlich auch psychische wie physische Gesundheit tatsächlich an erster Stelle stehen. Das klingt hart, gerade weil unsere Pferde vor Liebesbekundungen und Fotocollagen, verschiedensten Halftern und Schabrackenfarben ja eigentlich Königsstatus haben müssten.
      Es ist noch ein langer Weg, aber wir gehen ihn nicht alleine! 🙂 In dem Sinne danke für deinen Kommentar und für das Interesse an meinem Text.
      Liebe Grüße
      Miri

  • Hallo,
    sehr guter Beitrag.Wenn man die Grundbedürfnisse des Pferde betrachtet ist es Körperverletzung am Tier es in einer Box einzusperren, sei es psychisch oder physisch. Pferde sind Herden und Lauftiere.
    Leider ist das Problem so das es nicht immer den perfekten Offenstall gibt, ich hoffe es findet ein Umdenken statt.

    Es gibt leider tatsächlich immer noch Reitvereine und Turnierställe wo die Pferde 365 Tage in der Box stehen- das ist im Jahr 2016 immer noch die Realität.Leider fragen viele Reitschüler oder auch Erwachsene beim Reitverein nicht nach ob die Pferde Koppelgang haben. Der Mensch will nur reiten lernen und beschäftigt sich nicht mit der Anatomie und den Grundbedürfnissen vom Pferd.

    Jeder Hundebesitzer wurde aufschreien wenn man seinen Hund 365 Tage in eine 3×3 Box stecken wurde. Dieser Skandal würde Geschichte machen, warum wird dies bei einem Lauf/Herdentier tagein tagaus getätigt.

    Die Ausrede “ mein Pferd könnte sich beim Koppelgang verletzen und ich kann keine Turniere gehen“- das ist ein Widerspruch in sich.
    Der Bewegugsappart und Sehen stärken sich bei jeder Bewegung, durch das stehen in der Box gentstehen hier Defizite.

    Vielen Pferdebesitzer ist es schon zuviel da sich die Pferde wälzen könnten und schmutzig sein könnten.

    Oft gibt es nicht die perfekte Lösung, nichts desto trotz bin ich in der Verantwortung wenn ich mir ein Lebewesen anschaffe das Maximun an bester Haltung rauszuholen.

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